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Nachruf Franz Buggle

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18.8.1933 – 12.1.2011
Dienstag, 8. Februar 2011
Franz Buggle

Franz Buggle 18.8.1933-12.1.2011

Der emeritierte Inhaber des Lehrstuhls für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie am Psychologischen Institut der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Franz Buggle ist tot. Am 12. Januar ist er in Au bei Freiburg im Breisgau im Alter von 77 Jahren gestorben. Franz Buggle war einer der bedeutendsten Religions- und Kirchenkritiker Deutschlands. Mit seinem 1992 erschienenen Buch „Denn sie wissen nicht, was sie glauben oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann” erregte er Aufsehen. Darin wendet er sich gegen die „selektive verfälschend-idealisierende Darstellung der Bibel” und legt die „archaisch-inhumanen Implikationen der zentralen neutestamentlich-christlichen Lehre vom Kreuzestod Jesu als Erlösungstod und Sühneopfer” frei.

Franz Buggle hat in Freiburg und München Psychologie und Philosophie studiert und promovierte mit einer Arbeit über die Weltanschauung von Jugendlichen. Anschließend arbeitete anschließend er als wissenschaftlicher Assistent in Freiburg und Hamburg. 1970 wurde er in Regensburg Professor für Entwicklungs- und Sozialpsychologie, 1974 kehrte er an die Universität in Freiburg zurück und hatte dort bis zu seiner Emeritierung 1998 den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie inne. Er gehörte er dem Beirat des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) sowie dem wissenschaftlichen Beirat der Giordano Bruno Stiftung (GBS) an. 2004 verlieh ihm der Bund für Geistesfreiheit (BfG) den Ludwig-Feuerbach-Preis.

Franz Buggles grenzüberschreitendes wissenschaftliches Interesse spiegelte sich in der ungewöhnlichen Vielfalt seiner Lehrangebote. Dem Wesen seines Fachgebiets zufolge war er auch immer mit Fragen der Religiosität von Menschen und den sich daraus ergebenden Konflikten im Alltag konfrontiert. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Bibel als Ursache dieser Konflikte war nur folgerichtig.

Anlässlich Franz Buggles 70. Geburtstag schrieb Michael Charlton in den Freiburger Universitätsblättern (Heft 161) im September 2003:

Die entscheidende Motivation für eine kritische Auseinandersetzung mit der biblisch-christlichen Ethik bezog Franz Buggle aus seiner Erkenntnis als klinischer Psychologe, dass die in der Kindheit und Jugend erfahrene religiöse Sozialisation zwar von manchen Menschen als Quelle der Kraft und der Selbst- und Fremdakzeptanz erlebt wird, von anderen aber als schwere Kränkung des eigenen Selbstwertgefühls, als lebenslange Belastung und nicht selten als Ursache für psychische Krankheit.

Ausdruck fand diese Feststellung in seinem Werk „Denn sie wissen nicht, was sie glauben …”. Darin kommt Franz Buggle zu dem Schluss, dass die Bibel ein „gewalttätig-inhumanes Buch” und „als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik ungeeignet” sei. Sein kritisches Buch fand nicht nur im Fachkreis, sondern auch bei Philosophen, Naturwissenschaftlern und Medizinern sowie selbst bei Wissenschaftstheologen große Zustimmung. Dies musste nicht nur eine persönliche Genugtuung sein, sondern macht Buggles Bedeutung zu Lebzeiten deutlich.