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Wenn Frauen um die Wette kicken

Ab nächsten Sonntag findet hierzulande eine FIFA-Fußball-WM statt und die deutsche Elf ist Top-Favorit. Dennoch schert sich keiner drum und das Sommermärchen 2011 ist ein ganz anderes. Ein Kommentar
Freitag, 17. Juni 2011
Frauen Fussball WM

336 Frauen aus 16 Ländern werden in den nächsten Wochen um den FIFA WM-Titel der Frauen laufen, flanken, schießen, springen, köpfen, grätschen und foulen. Ja, es wird wie auch bei den Männern nicht nur hochtechnisch und grazil einhergehen, sondern auch robust. Und das ist gut so, denn es gehört zum Fußball dazu.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen um Kapitänin Birgit Prinz gehört in den nächsten Wochen als Titelverteidiger zu den großen Favoritinnen des Wettbewerbs. Das Team der USA wird als Olympiasieger und Weltranglistenerste alles dafür tun, um den deutschen Damen den Heimtriumph zu verhageln. Und auch Vize-Weltmeister Brasilien um Weltfußballerin Marta will den Titel. Aber auch Teams wie Japan, Schweden oder Kanada sollten nicht unterschätzt werden. Und wer meint, mit Nordkorea trete ein absoluter Underdog an, der sieht sich getäuscht. Immerhin Platz 8 in der FIFA-Weltrangliste, noch vor dem norwegischen Team, welches unter den Top 4 in Europa gelistet ist. Überhaupt verspricht das Teilnehmerfeld spannende Partien, denn abgesehen von der Mannschaft aus Äquatorial-Guinea sind alle Mannschaften unter den Top 30 der Weltrangliste, die Top-Ten-Teams sind komplett vertreten.

Trotz Top-Teilnehmerfeld und trotz Favoritenrolle des Gastgebers ist es neun Tage vor Beginn der Frauen-Fußball-WM erstaunlich ruhig im Fußballland Deutschland. Die Duplo-Riegel und Hanuta-Waffeln reißt man auf der Suche nach unseren WM-Stars um Nadine Angerer, Saskia Bartusiak, Ariane Hingst, Fatmire Bajramaj und Birgit Prinz völlig umsonst auf - die Fußball-WM findet hier nicht statt. Immerhin, es gibt eine Sonderedition der berühmten Panini-Aufkleberhefte.

Auch die Fachpresse schlägt sich nicht gerade um das Thema, sondern diskutiert lieber über das DFB-Aus von Michael Ballack und die kommende Bundesliga-Saison. Selbst im Magazin Elf Freunde befasst man sich noch nicht richtig mit der vor der Tür stehenden WM. Jeweils drei Beiträge zum deutschen Team, zu Hintergründen und zur Konkurrenz ist neun Tage vor dem Start kein Ruhmesblatt.

Und wie sieht es sonst aus? Hat schon jemand mit Fan-Utensilien gefüllte Regale gesehen oder irgendwo etwas von Public Viewing gelesen (An eine Fan-Meile will man ja noch gar nicht denken)? Die Welt zu Gast in Deutschland? Ein großes Willkommen? Das war einmal.

Der Frauenfußball wird hierzulande stiefmütterlich behandelt. Dafür sprechen auch die Spielorte: Sinsheim, Augsburg, Mönchengladbach, Leverkusen, Frankfurt, Bochum, Wolfsburg, Dresden und immerhin einmal Berlin. Hat sich hier irgendjemand Gedanken gemacht, welch Eindruck Bochums Innenstadt auf die Spielerinnen aus Äquatorial-Guinea macht oder Sinsheim auf die US-amerikanischen Kickerinnen? Man darf seine Zweifel haben. Würde der Frauenfußball ebenso geschätzt wie der der Herren, müssten die Spielorte Dortmund, München oder Stuttgart heißen.

Hallo Gleichbehandlung, möchte man da schreien. Zumal die Ausgangsposition der deutschen Elf, geht man nach der Weltrangliste, um einiges besser ist, als die der Herren anno 2006. Aber was soll's. Gleichberechtigung von Mann und Frau - ja, man könnte sich damit begnügen, da es ja auch eine Frauen-WM gibt. Kann schließlich keiner dafür, wenn sich die Wirte nicht dafür begeistern oder es im Baumarkt keine Bierzeltgarnituren in den landeseigenen Farben gibt.

Diese Phänomene sind aber Symptome für einen Zustand. Denn wer wissen will, wie es um die Akzeptanz von Frauen in sogenannten Männerdomänen steht, der muss sich nur Fussballland Deutschland in diesen Tagen ansehen. Und er wird erkennen, dass es sich dabei um ein (Sommer)-Märchen handelt.