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Nichts gibt es umsonst, ...

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Ein Kommentar zur Atomdebatte
Mittwoch, 1. Juni 2011

... nicht einmal den Tod, er kostet das Leben, eine Binsenweisheit. Strom aus Atom- oder alternativer Energie gibt es ebenfalls nicht umsonst. Die Wahl zwischen beiden sollte leicht fallen, besonders wenn man über die eigene Endlichkeit hinaus denkt.

Während Kernspaltung als Motor grenzenlosen Wachstums und Schweigen zur Frage der Endlagerung des Atommülls unzähligen Menschen bereits vor dem natürlichen Ende scheibchenweise das Leben kostete und kosten wird, mag Strom aus alternativen Energieformen auf den ersten Blick teurer sein, wird sich aber in der Endbilanz als lebensfreundlicher herausstellen.

Diese Erkenntnis verbreitet sich mehr und mehr seit dem Super-GAU in Fukushima. Seither dauert die längst fällige offene Debatte um den Ausstieg aus einer lebensbedrohlichen Energieform an.

Atomgrafik

Atomgrafik. © Adrian Niederhäuser - istockphoto.com

Zwar glaubt noch mancher Verfechter von Atomenergie, die Menschen mit dem Schreckgespenst unausweichlicher Strompreiserhöhung vom Lager der Atomkraftgegner fernhalten zu können. Dabei ist jedoch längst den meisten Menschen klar, dass der Umstieg auf erneuerbare Energien wohl teurer werden kann, die Kosten unkalkulierbarer Risiken über unseren Zeithorizont hinaus aber deutlich reduziert werden können.

Dafür wird man auch den Preis für etwas bezahlen, das nur eine relativ kurze Zeitspanne half und beinahe ewig glühen wird: die Endlagerung atomaren Mülls. Auch den Ausbau unseres veralteten Stromnetzes, welches die reichlich erzeugte Energie dorthin transportiert, wo man sie benötigt, wird man akzeptieren. Gleichzeitig wird dieser Prozess des Wandels Forschung und Dezentralisierung beflügeln. Ganz sicher werden wir in unserer Eigenverantwortung stärker gefordert. Dazu gehört auch, dass man zu Lebzeiten die Kosten für das gute Leben bezahlt und sie eben nicht nachfolgenden Generationen alleine aufbürdet.

Dies in einem offenen Dialog zu kommunizieren, wird nun unaufhörlich auf der Agenda verantwortungsvollen Planens und Handelns stehen. Wenn wir als Humanistinnen und Humanisten unseren Humanismus auch als Methode des demokratischen Dialogs verstehen, müssen wir uns zu Wort melden.

Dazu sollten wir Sitz und Stimme in Ethik-Kommissionen zum Atomausstieg gleichberechtigt mit religiösen Weltanschauungsgemeinschaften einfordern. Frieder Otto Wolfs drei Prinzipien des praktischen Humanismus als Argumente gegen die Atomenergie sind eine Steilvorlage, mit der wir uns in diese Debatte kompetent einschalten können.