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Brauchen Werte Religionsunterricht?

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In der neuen Ausgabe der Zeitschrift ‚Pädagogik‘ vom Juli 2012 diskutieren der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung Michael Schmidt-Salomon und der Katholische Theologe Ulrich Riegel über die Frage „Brauchen wir für die Wertebildung den Religionsunterricht?“.
Montag, 30. Juli 2012
Pädagogik Zeitschrift

Das Gespräch in der Fachzeitschrift ist insoweit interessant, als das der Professor für Religionspädagogik nur noch defensiv argumentiert. Beide Diskutanten sind sich einig, dass es zur Wertebildung keine Religion braucht und dass sogar Transzendenz und Metaphysik als Frage im neutralen Ethikunterricht behandelt werden können. Auch den Hinweis auf die religiös orientierte Lehrerpersönlichkeit wird von Michael Schmidt-Salomon mit der professionellen Kompetenz des Ethiklehrers gekontert.

Was meiner Meinung nach bei der Argumentation von Schmidt-Salomon zu kurz kommt, ist die fehlende praktische Konsequenz. Den Religionsunterricht in Deutschland abzuschaffen ist zurzeit kaum vorstellbar. Was heißt das aber für die Situation in den Schulen? Die Konsequenz ist eine Privilegierung der religiösen Kinder und eine Benachteiligung der Kinder aus humanistisch denkenden Familien, wenn kein Humanistischer Unterricht o.ä. als Alternative besteht. Konfessionslose Kinder werden dann wieder schnell als Mängelwesen ohne Werte und Moral diffamiert, da sie keine eigene Identität in der Schule reflektieren können.

Ein neutraler Ethikunterricht kann dies nicht ersetzen, da er sich religiös und weltanschaulich neutral verhalten muss. So ist es - zumindest solange die Gesellschaft Religions- und Weltanschauungsunterricht in den Schulen möchte – notwendig, ein eigenes Angebot für humanistisch denkende Familien anzubieten wie es der Humanistische Lebenskundeunterricht in Berlin, Brandenburg und an Privatschulen in Bayern darstellt.

Dies ist auch ein Problem der derzeitigen Diskussion unter den Laizisten in den Parteien, die es vorziehen, maximalistische Positionen zu beziehen, anstatt erste Schritte zur Gleichbehandlung zu gehen. Aber hier sind wir wieder im Zentrum einer Debatte von Strategie und Taktik.

Auf der Homepage der Giordano Bruno Stiftung wurde ein Auszug aus dem Gespräch dokumentiert.