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Afrikas Krieg gegen „Hexen“

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Ein Krieg wütet in vielen Teilen Afrikas. Dieser Krieg hat nichts mit den Konflikten in Mali, Nigeria, Somalia, Sudan und der Republik Zentralafrika zu tun. Aber trotzdem haben diese Konflikte etwas gemeinsam: Es ist ein Krieg gegen die verwundbarsten Mitglieder der afrikanischen Bevölkerung – ältere Frauen, arme Menschen, Menschen mit Behinderungen.
Mittwoch, 6. August 2014
Foto: Mags Gavan, Redrebel Films

Nigeria: Kinder protestieren mit Hilfe des "Child's Right And Rehabilitation Network" gegen ihre Stigmatisierung. Foto: Mags Gavan, Redrebel Films

Dieser Krieg wird nicht mit Gewehren, Bomben oder Panzerbüchsen ausgetragen. Sondern mit Waffen wie „Hexen“-Glaube und anderem Aberglaube. Der Glaube an Hexerei sorgt dafür, dass jeder, der mit dieser Bezeichnung gebrandmarkt wird, sich in einen Feind, ein Ziel verwandelt, das attackiert, gefoltert, verbannt oder getötet werden muss. Hexen-Glaube ist ein tödlicher Glaube, ein tödliches Etikett.

Hexenkriege haben zum Tod vieler Menschen geführt. Diese Kriege haben zur Verschleppung unzähliger Menschen geführt – Kindern wie Erwachsenen. Diese Hexenkriege haben viele dazu genötigt, dass sie ihr Zuhause verlassen und in Camps an anderen Orten wie Ghana oder Burkina Faso Zuflucht suchen müssen.

Um für die Grundrechte dieser Menschen in den Camps und den Opfern von Hexerei-Anschuldigungen zu kämpfen, werben humanistische Atheisten, Agnostiker und Skeptiker für Frieden. Humanisten drängten auf ein Ende dieser auf dem Glauben an Zauberkräfte basierenden Kriege, die bereits seit einer Ewigkeit wüten. Daraufhin hat die Regierung Ghanas bereits damit gedroht, die „Hexen-Camps“ zu schließen.

Allerdings sind diese Hexencamps nicht das Problem. Der Glaube an Hexerei ist das Problem. Aberglaube ist das Problem. Der Unwille und die Unfähigkeit gefährliche, traditionelle Glaubensformen herauszufordern, ist das Problem. Das Fehlen von Mitgefühl für angeklagte Personen ist das Problem. Das Fehlen von kritischem Denken das Hauptproblem.

„Hexen-Camps“ sind „traditionelle Gefängnisse“ für Kriminelle. Hexerei gilt hierzulande als Straftat und den angeklagten Personen wird öffentlich der Prozess gemacht und sie werden öffentlich verurteilt, wie gewöhnliche Verbrecher. Der Unterschied zwischen Hexerei-Kriminellen und „normalen“ Tätern ist, dass geglaubt wird, eine Hexe hätte ihre Tat auf spirituelle Weise begangen, während „normale“ Straftäter es auf materielle Weise tun. In „Hexen-Camps“ verbannt zu werden, ist eine Art der Bestrafung, eine Strafe dafür, diese okkulte Tat begangen zu haben.

Beim Kampf für die Menschenrechte der Menschen in diesen Camps haben Humanisten die Möglichkeit, solche stigmatisierten Menschen zu „normalisieren“. Humanisten können durch Kampagnen daran arbeiten, die Auffassung, dass Hexerei eine Straftat wäre, zu zerstreuen. Indem sie den Dialog suchen und Überzeugungsarbeit leisten. Humanisten können durch gelebten Humanismus helfen, afrikanische Hexenkriege zu beenden.

Übersetzung: Saskia Albarus