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Guluwalk 2013: Steht auf und sprecht für diejenigen, die nicht für sich sprechen können

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Eigentlich war eine große Abschlusskundgebung geplant. Doch das Wetter spielte nicht mit. Am Ende des Protestmarsches Guluwalk am 25. Mai versammeln sich die Teilnehmer bei strömendem Regen unter den Bäumen des Monbijouparks in Berlin. Der ehemalige Kindersoldat und heute 30-jährige Yookie Albert Mangenge hielt eine bewegende Rede über den Wert der Solidarität mit den Kindersoldaten Afrikas.
Mittwoch, 26. Juni 2013
Yookie Albert Mangenge

Yookie Albert Mangenge beim diesjährigen Guluwalk in Berlin | Foto: Töns Wiethüchter

„Es ist einfach großartig, an dieser Aktion teilzunehmen. (…) es ist toll, dass wir zusammenstehen, um gegen den Einsatz von Kindersoldaten zu protestieren. Ich erinnere mich daran, wie ich mit neun Jahren zuhause gekidnappt wurde und zweieinhalb Jahre ein Kindersoldat war. Ich habe gesehen, wie meine zwei Schwestern vor meinen Augen vergewaltigt und getötet wurden. Danach wurden meine Eltern ebenfalls getötet. Ich verließ mein Zuhause als ein kleiner Junge ohne Hoffnung und ohne Träume. Ich lebte in den Straßen Tansanias, Mozambiques, Simbabwes und Südafrikas. Ich hatte überhaupt keine Hoffnung, dass sich irgendjemand um mich kümmert und mir helfen könnte.

Und ich habe so viele Fragen an diese Welt. Warum muss ein Kind durch so schwere Zeiten gehen? Warum mussten mir meine Eltern genommen werden, als ich erst neun Jahre alt war? Warum bin ich arm geboren? Warum bin ich nie wie alle anderen Kinder zur Schule gegangen? Ich habe so viele Fragen.

Aber heute möchte ich euch sagen, dass sich mein Leben wegen nur einer Frau änderte. Eine Frau, die entschied, sich gegen den Einsatz von Kindersoldaten zu stellen, die zu mir stand und daran glaubte, dass sich mein Leben ändern könnte. Wenn ich euch sehe, erinnert ihr mich an diese Frau. Vielleicht sehen einige von euch nicht, was sich durch eure heutigen Schritte geändert hat. Es gibt heute viele Kinder in Afrika, die nicht in der Lage sind, auszusprechen, was sie fühlen, weil sie durch all diesen Schmerz hindurchgegangen sind. Sie können nicht nach Europa kommen und den Mund aufmachen, um nach Hilfe zu fragen. Aber ihr habt euch heute entschieden, euer Zuhause und euer Bett zu verlassen, um die Stimme dieser Kinder in Afrika zu sein. Alles, was ich euch sagen möchte, ist, dass eure Stimme nicht ungehört bleibt. Durch solche Aktionen und die Schritte, die ihr heute gegangen seid, werden wir die Politik möglicherweise nicht verändern. Aber es macht einen Unterschied. Man muss kein Politiker sein. Und Menschen wie ihr machen einen Unterschied aus.

Ich möchte mich für die heutige Aktion bedanken. Es wird ein Tag sein, an den man sich erinnert. Besonders für mich: Irgendwo in Europa, in Berlin, leben Menschen, die gegen den Einsatz von Kindersoldaten aufstehen und protestieren. Nichts ist so großartig im Leben, wie wenn Menschen für andere einstehen, die nicht für sich selbst sprechen können. Ich möchte dem Guluteam und allen, die an der Vorbereitung beteiligt waren, danken. Ich möchte all den Lehrern danken, die ich in den Schulen getroffen habe. Es war fantastisch. Ich habe die Schüler ins Herz geschlossen, wie ich es vorher niemals vermutet hätte. Es war aufregend in den Schulen. Ihr wisst, dass ich keine Familie und keine Geschwister mehr habe. Aber als ich in die Schulen kam, fühlte ich mich wie Zuhause. Vielen Dank."

Aufgeschrieben und übersetzt von Töns Wiethüchter