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Ausschluss ohne Folgen

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Es ist eine delikate Situation entstanden: Nachdem Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation des Holocaustleugners Bischof Richard Williamson erst unlängst aufgehoben hat, ist der für seine fundamentalistischen Positionen bekannte Williamson nun von der reaktionären Piusbruderschaft ausgeschlossen worden. Die Begründung der Bruderschaft lässt tief blicken.
Freitag, 26. Oktober 2012
Richard Williamson II

Es könnte ihn auf den ersten Blick fast schon wieder sympathisch machen: Bischof Richard Williamson ist, wie die Medien am Mittwoch meldeten, aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen worden.

Und zwar nicht deshalb, weil er etwa Frauen für generell unfähig hält, eine Universität oder höhere Schulen zu besuchen oder 14-Jährige Firmlinge dazu auffordert, im Kampf für den einzig wahren katholischen Glauben zu sterben. Auch nicht, weil er im Röckchen mit Klöppelspitze auf rotem Seidentalar bekleidet alle der homosexuellen „Unzucht" Verfallenen in die Hölle schickt oder vor Fernsehkameras im oberpfälzischen Zaitzkofen und in Predigten den Holocaust leugnete bzw. als trickreiche Erfindung der Juden bezeichnete, scheint in der Piusbruderschaft den Ausschlag für den Bruderschaftsbann gegeben zu haben.

Nein, das sind ja eben jene Statements, die Williamson auf der vom Verfassungsschutz beobachteten Hass-Seite „kreuz.net", zum „Heldenbischof" der Katholiban haben werden lassen. Kreuz.net jedoch vertritt in vielen Artikeln die Positionen der Piusbruderschaft.

Es war vielmehr der Ungehorsam gegenüber seinen Oberen in der Bruderschaft, der seiner Karriere in der Piusgemeinde schließlich das Genick gebrochen hat. Kurz und knapp ließ das Generalhaus der Piusbruderschaft die Öffentlichkeit wissen:

S.E. Bischof Richard Williamson hat sich seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt und sich geweigert, den Respekt und den Gehorsam zu bezeigen, den er seinen rechtmäßigen Oberen schuldet.

Nun ist eine besonders delikate Lage entstanden: während Williamson mit seinen ultra-reaktionären Positionen aus der reaktionären Piusbruderschaft ausgeschlossen wurde, hat Papst Benedikt XVI. seine Exkommunikation aus der katholischen Kirche in aller Öffentlichkeit aufgehoben. Eine prekäre Konstellation, die deutlich macht, mit welcher fulminaten Geschwindigkeit die katholische Kirche derzeit von Rom aus zur fundamentalistischen Großsekte umgebaut wird.