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Woran man einen Humanisten erkennt

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Positive Freiheit ist die Anwesenheit von Regeln, die das Selbstbestimmungsrecht gesellschaftlich sicherstellen und gestalten.
Donnerstag, 22. September 2011

Die Proteste gegen den Papstbesuch belegen, dass es eine Reihe gesellschaftlicher Gruppen gibt, die den Kirchen ablehnend gegenüberstehen und besonders deren Einfluss auf die Politik beanstanden. Jedoch beschränkt sich die Tätigkeit säkularer und humanistischer Organisationen nicht allein auf das Kritisieren von überholten religiösen Glaubenssystemen und Institutionen.

An diesem Sonnabend, 24. September 2011 hält der niederländische Soziologe und Autor Prof. Dr. Robert Tielman um 11 Uhr im Vortragssaal des Kulturzentrums PFL, Peterstr. 3 in Oldenburg den Vortrag „Zusammenschluss konfessionsfreier Menschen – Ziele und Interessen humanistischer Organisationen“. Prof. Dr. Robert Tielman, lange Jahre an der Spitze der International Humanist and Ethical Union (IHEU) aktiv, erläutert in seinem Vortrag die Motive religionsfreier Menschen, sich zu versammeln und zu organisieren. Er zeigt dabei auf, welche Widerstände es zu überwinden gibt und wie Ziele und Interessen humanistischer Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene erfolgreich umgesetzt werden können. Die Veranstaltung wird von dem Regionalverband Weser-Ems des Humanistischen Verbandes Niedersachsen (HVD) durchgeführt.

Lutz Renken sprach vorab mit „Rob“ Tielman über seinen Vortrag in Oldenburg.

Robert Thielmann

Prof. Dr. Robert Tielmann

Ich weiß, dass ich nicht religiös bin. Wie weiß ich aber, dass ich ein Humanist bin?

Humanisten gehen davon aus, dass Menschen das Recht haben, ihrem Leben selbst Sinn und Gestalt zu geben, solange sie das Selbstbestimmungsrecht anderer Menschen respektieren.

Warum sollte ich mich für den Humanismus engagieren?

Negative Freiheit ist die Abwesenheit von Regeln. Das aber bedeutet die Freiheit der Mächtigen und die Unfreiheit der Machtlosen. Positive Freiheit ist die Anwesenheit von Regeln, die das Selbstbestimmungsrecht gesellschaftlich sicherstellen und gestalten. Demokratie bedeutet nicht die Diktatur der Mehrheit, sondern das Respektieren von Menschenrechten von Individuen, wie z. B. das Recht auf Selbstbestimmung. Positive Freiheit kann nur existieren, wenn man sich engagiert: Das ist das Paradox der Freiheit!

Wie sind Sie dazu gekommen, sich für den Humanismus zu engagieren?

Mein Vater war Atheist und meine Mutter Katholikin. Diese Kombination hat mich dazu gebracht, meinem Leben selber Sinn zu geben. Mein Professor an der Universität, Piet Thoenes, hat mich über Jaap Van Praag mit dem Humanismus bekannt gemacht. Van Praag war Mitbegründer der niederländischen und internationalen humanistischen Bewegung.

Wie Sie wissen, besucht Papst Benedikt XVI. in diesen Tagen Deutschland und wird sogar vor dem Bundestag sprechen. Eine Reihe von Bundesabgeordneten wird der Rede fernbleiben. Was ist Ihre Haltung dazu?

Ich war in den Niederlanden, Norwegen und Kalifornien während früherer Papstbesuche anwesend und habe damals in den Medien die Machtpolitik des Vatikans im Bereich der Sexualität, AIDS-Prävention und Meinungsfreiheit kritisiert. Diese Kritik ist leider immer noch aktuell.

Sie selbst waren lange Jahre Präsident bzw. Vorsitzender der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union (IHEU). Waren Sie in dieser Zeit so etwas wie der atheistische Gegenpapst?

Ein humanistischer Papst ist ein krasser Widerspruch in sich, da bisher alle Päpste antidemokratisch waren und die Menschenrechte nicht anerkannt haben.

Tielman war von 1977 bis 1987 Präsident des niederländischen Humanistisch Verbond und von 1986 bis 1998 Vorsitzender bzw. Präsident der International Humanist and Ethical Union (IHEU). Prof. Dr. Robert Tielman ist emeritierter Hochschullehrer der Sozialwissenschaften und der Humanistischen Studien. Er ist unter anderem Leiter der schwul-lesbischen Studien der Universität Utrecht, Präsident der öffentlichen Schulen der Niederlande und Mitglied des Europarats.