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Probeliegen. Weil alle Menschen sterblich sind

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Dr. Torsten Körner, Schriftsteller, Vater, Film- und Literaturkritiker, Humanist, Marathonläufer, Vegetarier im Gespräch.
Mittwoch, 19. Oktober 2011
Probeliegen - Geschichten vom Tod

Torsten Körners neuestes Buch ist erschienen: Probeliegen - Geschichten vom Tod. Seine Auseinandersetzung mit dem Tod, dem Sterben, ist so vielseitig wie anregend - nicht unbedingt zum Sterben aber doch zum Nachdenken über dieses Thema, das scheinbar tabuisiert ist in unserer Gesellschaft der ewig Jungen, ewig Schönen. Susan Naviss sprach für diesseits mit Torsten Körner über sein Buch und das, was dahinter steckt.

Wie gehen Sie selbst mit der für viele teils beunruhigenden Tatsache der eigenen Sterblichkeit um?

Wie ich mit der Tatsache des sicheren Todes umgehe? Ich frage mich eher, wie sie mit mir umgeht. Ich habe jeden Tag Umgang mit dieser Tatsache, mit dem Bewusstsein meiner Endlichkeit. Und ich reagiere darauf sehr verschieden. Mal bin ich erstaunt, mal kann ich es nicht glauben, mal ist es wie ein schwarzer Block, mal ein nagendes Pochen, mal eine heitere Trübnis, mal ein bleierne Schwere, mal Hoffnung usw. usw. Irgendetwas tickt immer in mir, manchmal auch der Gedanke, alles sei nur ein schlechter Witz.

Welches Jenseitskonzept würde Ihnen persönlich am ehesten gefallen? Gibt es für Sie ein Jenseits?

Für mich gibt es kein Jenseits, aber was das Diesseits ist, ist auch fragwürdig. Daher habe ich auch kein Jenseitskonzept, denn  das hieße ja, dass ich einen Plan habe. Am ehesten würde mir gefallen, das Jenseits wäre ein Ort, an dem ich besser Fußball spielen, schreiben und küssen könnte, das Jenseits wäre ein Ort, wo die Menschen zartfühlender und zärtlicher wären.

Was hat Sie bewogen, dieses Buch zu schreiben?

Ich wollte nicht warten, dass mich der Tod holt, sondern ich wollte einen Schatten seiner Existenz spüren, ich wollte gegen seine alltägliche Verdrängung anschreiben. Wo ist der Tod? Wie wird gestorben? Oder auch: Wo beginnt unser Sterben? Beginnt es wirklich erst auf dem Totenbett? Ich denke nicht. Mit dem Buch wollte ich mich für meine eigene Endlichkeit sensibilisieren, mich ein bisschen aufrichtiger machen.

Hat sich etwas geändert an Ihrer Haltung zum Thema Tod/Sterben nach dem Schreiben des Buches?

Ich bin zeitweise gelassener, etwas ausgeglichener. Manchmal, unmittelbar nach der Begegnung mit dem Tod, war ich euphorisch, wach, wahrnehmungsstark, meine Sinne waren geschärft. Wie schön kann das Leben sein, wenn wir es annehmen, wir uns nicht durch unsere Ängste selbst verfinstern. 

Torsten Körner mit Tochter

Torsten Körner mit seiner Tochter und seinem neuen Buch | Foto: Susan Navissi

Sie sind Vater dreier Kinder. Sprechen Sie über das Sterben und den Tod mit ihren Kindern?

Klar. Allerdings sprechen meine Kinder über das Thema eher mit mir, als ich mit ihnen. Sie haben eine natürliche kindliche Neugier und Unbefangenheit, was das Thema angeht. Sie wollen wissen, was der Himmel ist oder die Hölle, sie wollen das Zeitmaß des Lebens erforschen, sie wollen wissen, was ein Friedhof oder ein Sarg ist. Ich finde man kann mit Kindern gut über dieses Thema sprechen, ohne es zu pädagogisieren, ohne ihnen etwas aufzuzwingen. Das wäre ja lachhaft. Sie müssen alles selbst finden und erforschen, schließlich selbst erleiden.

Besuchen Ihre Kinder einen Religionsunterricht oder den humanistischen Lebenskundeunterricht? Finden Sie, dort wird dieses existenzielle Thema angemessen thematisiert?

Meine Kinder besuchen sowohl den Religionsunterricht (meine Töchter) als auch einen Lebenskundeunterricht (mein Sohn). Ich finde beides kann hilfreich sein, beides kann aber auch schaden. Ich verabscheue dogmatische Lehrmethoden oder ideologische Auffassungen. Pädagogik, die Kindern Türen verschließt, ist für mich schwarze, kalte Pädagogik. Lehrer sollen Türen öffnen, den natürlichen Wissensdurst der Kinder nicht voreilig löschen, sondern ihn fördern. Rasche Antworten suche ich nicht, sondern Fragen, die mich erschüttern. Ob dieses Thema angemessen behandelt wird, kann ich nicht sagen, man müsste immer den Einzelfall anschauen, allerdings habe ich den Verdacht, dass dem Thema aus falsch verstandener Fürsorge oft ausgewichen wird.

Buchtrailer zum aktuellen Buch von Torsten Körner: Probeliegen - Geschichten vom Tod