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Verlässliche Erkenntnis ist grundlegend für ein humanistisches Menschenbild

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Am Freitag beginnt im fränkischen Fürth das alljährliche turmdersinne-Symposium. Das Thema des Symposiums heißt in diesem Jahr „Bewusstsein – Selbst – Ich. Die Hirnforschung und das Subjektive“. Der Geschäftsführer des Hands-On-Museums in Nürnberg, Dr. Rainer Rosenzweig, spricht über die Bedeutung der beliebten Wissenschaftsveranstaltung.
Montag, 30. September 2013
Symposium 2013 tds

Das Symposium des turmdersinne findet in diesem Jahr bereits zum 16. Mal statt. In den letzten Jahren war es immer restlos ausverkauft. Was sind das für Menschen, die das Symposium besuchen? Und wie erklären sie sich dieses große Interesse an naturwissenschaftlichen Debatten?

Dr. Rainer Rosenzweig: Die Teilnehmerliste unserer Symposien ist sehr vielfältig. Darin finden sich Ärzte, Psychologen, Therapeuten sowie Lehrer und Pädagogen der verschiedensten Fachrichtungen aber auch Interessenten aus der breiten Bevölkerung, die aus allgemeinem ganz persönlichem Interesse teilnehmen. 

Ist der Umzug in die Stadthalle Fürth der großen Nachfrage zuzuschreiben?

Ja. In unserem früheren Tagungsraum, dem Aufseß-Saal im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, hatten maximal 500 Personen Platz. Wir waren in den Vorjahren immer bereits im August ausverkauft. Viele unserer spontanen (Stamm-)Gäste waren verärgert, weil wir sie abweisen mussten. Darauf wollten wir reagieren. In der Stadthalle haben 650 Personen Platz, mit einer Saal-Erweiterung sogar noch mehr. Diese Saal-Erweiterung werden wir tatsächlich in Anspruch nehmen, da 650 Teilnehmer bereits zum jetzigen Zeitpunkt angemeldet sind.

Das diesjährige Motto steht unter dem Titel: „Die Hirnforschung und das Subjektive“. Welche Schwerpunkte werden Ihre Referenten, innerhalb dieses umfangreichen Forschungsgebietes setzen?

Wir haben versucht, eine möglichst breite Themenpalette in das Programm aufzunehmen. Jede Referentin, jeder Referent wird über sein, über ihr jeweiliges Fachgebiet sprechen. So werden die Hirnforscher Christof Koch, Wolf Singer und John-Dylan Haynes einen Überblick über den Stand der Neurowissenschaften geben. Die Mediziner Henrik Walter und Frank Erbguth sprechen über psychische Erkrankungen und abgeschaltetes Bewusstsein, Ulrich Kühnen, Ursula Voss und Norbert Bischof erläutern die psychologische Perspektive und Ansgar Beckermann, Jennifer Windt und Brigitte Falkenburg sorgen für eine philosophische Einordnung. Das Podiumsgespräch am Ende wird versuchen, auf dem aktuellen Stand der Forschung einen Überblick über die Kontroversen zu bieten, die derzeit in der wissenschaftlichen Gemeinde diskutiert werden.

Warum sind Fragen der „Ich-Perspektive“ – Wie verhält sich unser subjektiver Blick zur objektiven Außensicht? Wie entstehen Bewusstsein und persönliches Identitätsgefühl? Wovon hängt unser Selbstbild ab? – heute wichtig? Leben wir nicht ohnehin in einer subjektiven Welt, in der es keine objektiven Wahrheiten mehr gibt?

Der These, es gebe keine objektiven Wahrheiten, mag ich nicht zustimmen. Die Tatsache, dass wir das, was wir als „Wahrheit“ verstehen, niemals einhundertprozentig wissen können, bedeutet ja nicht, dass wir so etwas wie „verlässliche Erkenntnis“ gar nicht erlangen können. Und dabei ist die Frage des subjektiven Erlebens in Bezug auf „objektive“ – oder sagen wir: intersubjektive – Zusammenhänge aus meiner Sicht eine ganz entscheidende Grundlage für ein humanistisches Menschenbild.

Als Referenten nehmen in diesem Jahr erneut international bekannte Experten auf dem Gebiet der Hirnforschung teil. Unter anderem Christof Koch und Wolf Singer. Welche Außenwirkung hat das Symposium in ihrer Region und insbesondere für den Turm der Sinne?

Natürlich ist es eine Ehre für uns als Veranstalter, dass solch namhafte Wissenschaftler zu uns kommen. Es zeigt, dass sich das einmal jährlich stattfindende Symposium turmdersinne inzwischen als hochkarätige populärwissenschaftliche Wochenendveranstaltung mit bundesweiter Ausstrahlung etabliert hat. Diese Außenwirkung führt erfreulicherweise dazu, dass der turmdersinne als kompetenter und seriöser Veranstalter ernst genommen wird.

Sie suchen auch immer wieder einen originellen Ansatz, um das Thema des Symposiums von der Wissenschaft herunterzubrechen auf die Alltagspraxis der Menschen. Wie wird dies in diesem Jahr geschehen?

Rainer Rosenzweig

Der Ansatz des turmdersinne ist es, das Thema geistreich anzukündigen, pointiert zu umschreiben und charmant zu präsentieren. Uns als Veranstalter sind dabei zwei Dinge wichtig: Die Auswahl der Themen und Referenten sollte ein kompetentes, frisches Programm gewährleisten, etablierte Wissenschaftler und vielversprechende Nachwuchsfor­scher sprechen über ein ausgewogenes Spektrum relevanter Fragen und Forschungsergebnissen. Und darüber hinaus sollte das gesamte Wochenende in anregender, kreativer Atmosphäre stattfinden, Diskussionen anregen und zum weiteren Nachdenken anregen. Beides ist bisher offenbar immer ganz gut gelungen, was aus meiner Sicht auch den anhaltend positiven Zuspruch an Teilnehmerinnen und Teilnehmern erklärt. Unser Team wird alles dafür tun, dass dies auch in diesem Jahr gelingt.

Welche Bedeutung kann der jährlichen Veranstaltung in der wissenschaftlichen Szene beigemessen werden?

Ich denke, dass die wissenschaftliche Szene das Symposium und ähnliche Veranstaltungen als Gelegenheit begreift, ihre Forschungsergebnisse umfassend und kritisch mit der interessierten Öffentlichkeit, die diese Forschungen ja zu einem Großteil finanziert, zu diskutieren. Dieser Diskurs ist aus meiner Sicht in einer modernen, humanistischen Gesellschaft unumgänglich und kann zudem für beide Seiten äußerst fruchtbar sein.

Was ist ihr persönlicher Höhepunkt in diesem Jahr beim Symposium?

Höhepunkte sind immer die Reaktionen der Teilnehmenden und Referenten. Ich hoffe sehr, dass die Stadthalle Fürth – ein wirklich sehr schöner neuer Veranstaltungsort – auch von unserem Publikum angenommen wird. Im Programm gibt es ja mehrere Glanzpunkte, da fällt es mir sehr schwer, einen herauszugreifen. Natürlich freue ich mich, dass Christof Koch aus Kalifornien angereist ist. Auch dass die unangefochtene Kapazität der akademischen Psychologie, Norbert Bischof erneut einen seiner ideenreich und originell präsentierten Vorträge bei uns hält, wird sicher wieder Gewinn. Ich erwarte aber auch weitere überraschende Einsichten und unerwartete Höhepunkte.

Inwiefern laufen bereits die Vorbereitungen für das kommende Jahr und welches Thema haben Sie dafür ausgewählt?

Die Vorbereitungen für das Symposium 2014 sind bereits angelaufen. Termin und Thema stehen fest: Am Wochenende 26.-28. September 2014 geht es – wieder in der Stadthalle Fürth – um „Das soziale Gehirn. Neurowissenschaft und menschliche Bindung“. Bereits zugesagt haben der Hirnforscher Manfred Spitzer und die Entwicklungspsychologin Sabina Pauen. Ich gehe davon aus, dass wir wieder ein sehr attraktives Programm zusammenbekommen werden.

Aktuelle Informationen über das allmählich wachsende Programm finden sich unter www.turmdersinne.de/de/symposium. Eine Anmeldung ist ab Frühjahr 2014 möglich.

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Programm tds-Symposium 2013869.81 KB