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Eine Feier von Menschlichkeit, Freiheit und Toleranz

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Am vergangenen Sonntag fand die 17. Jugendfeier der Humanisten Baden-Württemberg im mit rund 200 Gästen vollbesetzten Häussler Bürgerforum in Stuttgart statt. Das vielseitige Programm hatten die Jugendlichen auch dieses Mal wieder selbst mitgestaltet.
Mittwoch, 28. Mai 2014
Foto: Julia von Staden

Foto: Julia von Staden

Sieben Jugendliche aus Ilsfeld, Ulm, Heidenheim und Stuttgart feierten hier gemeinsam mit ihren Familien, Freunden und weiteren Gästen den Übergang von der Kindheit zur Jugend.

Keine Jugendfeier gleicht der anderen, denn die Jugendlichen haben hier die Möglichkeit, sich und ihre Lebenssituation gemeinsam mit Familie und Freunden in einem von ihnen selbst gestalteten Rahmen festlich zu würdigen. Diese Besonderheit der Jugendfeier hob Gabriele Will, Vorstandssprecherin der Humanisten Baden-Württemberg, gleich zum Beginn ihrer Eröffnungsrede bei der diesjährigen humanistischen Jugendfeier hervor. Die Werte der humanistischen Weltanschauung, auf denen diese Feier für junge Menschen ohne Religion fußt, seien Menschlichkeit, Freiheit und Toleranz, so Will weiter.

Die Jugendfeier, die in einer 160-jährigen Tradition steht, wurde in Stuttgart bereits zum 17. Mal von den Humanisten Baden-Württemberg durchgeführt. Und auch in diesem Jahr war das Häussler Bürgerforum wieder bis auf den letzten Platz voll besetzt mit Angehörigen von sichtlich aufgeregten sieben Jugendlichen sowie Gästen und Mitgliedern des Verbandes. Wie in den letzten Jahren wurde die Feier musikalisch einfühlsam umrahmt von der Band des Musikfachseminars Stuttgart. Wie immer war sie der Höhepunkt und Abschluss einer mehrmonatigen Vorbereitungszeit.

Foto: Julia von Staden

Foto: Julia von Staden

Die Jugendlichen stellten sich bei ihrer Feier zunächst gegenseitig vor – diesmal per vorab aufgezeichneten Video-Interviews. Unterstützt wurden sie dabei vom Pädagogen Ingo Grießbach, der gemeinsam mit Petra Häneke, ebenfalls Pädagogin, und der Theater-Pädagogin Susken Jurda, die Jugendlich während ihrer Vorbereitungszeit zur Jugendfeier begleitet hatte: Laura aus Stuttgart gilt als lustig, etwas verrückt und selbstbewusst. Sie verkleide sich gerne mit selbst genähten Kostümen beim Cosplay, was sie dann auch zusammen mit ihrer Schwester und einer Freundin den interessierten Gästen und Angehörigen direkt vorführte. Sie selbst stand dabei als Link aus dem populären japanischen Computerspiel Zelda von Nintendo auf der Bühne. Das Verkleiden und die Treffen mit anderen Cosplayern haben sie viel selbstbewusster und offener werden lassen, erzählte sie anschließend; Sören aus Ilsfeld ist ein lustiger Typ, der gerne lacht und eine echte Plaudertasche. Alle anderen Jugendlichen waren sich ziemlich sicher, dass er mal eine naturwissenschaftliche Laufbahn anstreben wird. Und so verwunderte es dann auch nur ein bisschen, als Sören später schon fast wie ein etablierter Wissenschaftler auf einer Konferenz über Umweltverschmutzung referierte; auch Kolja aus Ilsfeld, der Frühaufsteher unter den sieben Jugendlichen, sehen die anderen meist als Forscher oder Naturwissenschaftlicher. Er berührte die Gäste mit seinem Vortrag eines Gedichts über Mobbing, das er mit Hilfe der Theater-Pädagogin Susken Jurda minimalistisch inszeniert und unterstützt von zwei anderen der Jugendlichen, nur sichtbar als Schatten auf einer Leinwand, vorgetragen hatte. Später zeigte Kolja gemeinsam mit Sören noch eine spektakuläre Diabolo-Show zur Musik der Band des Musikfachseminars Stuttgart. Janna aus Ulm, die von den anderen als lustig, etwas schüchtern und intelligent beschrieben wurde, wird später mal, so sind sich die Jugendlichen ziemlich sicher, entweder Naturwissenschaftlerin, Ärztin oder Lehrerin. Sie brachte ihren Zuhörern die Philosophie der Kampfsportart Karate näher, die sie selbst auch für ihren Alltag hilfreich findet. Grundlage hier sei der Respekt gegenüber anderen. Vieles von dieser Philosophie finde sich bei den Jungen Humanisten wieder, weshalb sie sich mit ihnen sehr gut identifizieren könne; Niclas aus Heidenheim, der bei den anderen bekannt für seinen Humor und seine höfliche Art ist, wird, wenn es nach den Prognosen der anderen Jugendlich geht, ziemlich sicher Techno-Musik-Produzent – oder Profi-American-Football-Spieler. Gemeinsam mit Eric führte er eine Szene über ihre unterschiedlichen Musikvorlieben – Techno und Metal – vor, die sie mit Unterstützung von Susken Jurda inszeniert hatten. Eric aus Stuttgart gilt als selbstbewusst und freundlich. Als echten Metal-Typ können sie sich ihn später kaum mit Anzug im Büro vorstellen – und wenn, dann eben nur mit voll aufgedrehter Metal-Musik; Aaron aus Ilsfeld, den die anderen als sportlich, mitfühlend und loyal empfinden, hat schon mit fünf Jahren seine große Leidenschaft für den DLRG und das Rettungsschwimmen entdeckt. Besonders gut gefalle ihm hier, dass den Schwächeren ganz selbstverständlich geholfen würde und er wünschte sich das auch für das „echte Leben“. Vieles was die großen Treffen beim DLRG ausmachten, habe er auch bei den Humanisten wieder gefunden: Gemeinschaft, Freiheit, Freundschaft, Selbstständigkeit.

Foto: Julia von Staden

Foto: Julia von Staden

Die diesjährige Festrede hielt Jürgen Springfeld, Präsident des Humanistischen Verbandes Nordrhein-Westfalen. Inspiriert durch den niederländischen Philosophie-Professor Douwe Draaisma sinnierte er über den Zeitpunkt, an dem das Leben „so richtig“ beginnen würde. Dabei machte Springfeld den Zeitraum zwischen dem fünfzehnten und dem 35. Lebensjahr als die Lebensphase aus, in der sich das Leben am stärksten anfühle, voller Freiheit und Unabhängigkeit. Natürlich gehörten dazu auch die kleineren und größeren Katastrophen, die er dann persönlich in seinem imaginären „Karton für nicht so Gutes“ ablege. Ein „Schächtele“ für die guten Dinge gebe es selbstverständlich auch. Zum Abschluss seiner Rede hatte Jürgen Springfeld noch einen Rat für sowohl die Jugendlichen als auch für die älteren Gäste: Wer im Augenblick lebe, der müsse nicht auf das Leben warten.

SWR1 Baden-Württemberg Bericht zur humanistischen Jugendfeier in Stuttgart

Nach einer kurzen Vorstellung der Jungen Humanisten in Baden-Württemberg, die bei den Vorbereitungen der Jugendfeier engagiert mitgeholfen hatten, sowie herzlichen Glückwünschen für die Jugendlichen schloss der Geschäftsführer Andreas Henschel den generationenübergreifenden Festakt mit einem rührenden Dankeswort an die Pädagogen, Petra Häneke, Ingo Grießbach und  Susken Jurda. Anschließend gab es mit einem Sektempfang einen gemeinsamen Ausklang für diesen wunderschönen, sonnigen Vormittag.