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„Das fasziniert mich, weil ich es nicht verstehe“

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In der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins schreibt das frühere Abba-Mitglied Björn Ulvaeus, dass ohne Religion ein Jude und ein Araber als gleiche Menschen in Frieden leben könnten. Und gerade die unbeantworteten Fragen seien es, die für seinen Wunsch nach einem längeren Leben sorgen.
Donnerstag, 25. April 2013
Foto: Vasterviks kommun / Flickr / CC-BY-SA

Björn Ulvaeus: „Ich bin kein Fundamentalist in umgekehrter Richtung“. Foto: Vasterviks kommun / Flickr / CC-BY-SA

„Wir haben jahrhundertelang darum gerungen, unseren Geist zu befreien. Seit der Aufklärung haben wir daran gearbeitet, die Kirche aus dem öffentlichen und politischen Leben herauszuhalten. Und jetzt kommt alles wieder“, so Björn Ulvaeus in der ZEITmagazin-Serie „Ich habe einen Traum“.

Der Mitbegründer der bis heute weltweit populären einstigen Popmusikgruppe ist vor einigen Jahren Mitglied im Humanistischen Verband Schwedens Humanisterna geworden, um sich für die ethischen Ideale des Humanismus zu engagieren. Die Liedzeile von John Lennons „Imagine“, in der von einer Welt ohne Religion die Rede ist, enthalte für ihn eine „absolut unmögliche“ Vorstellung. Denn er sei „kein Fundamentalist in umgekehrter Richtung“ und daher sei das für ihn „einfach ein interessanter Gedanke.“

Weiter schreibt Ulvaeus, dass aus seiner Sicht die gesamte Auffassung vom Unterschied zwischen Menschen in der Religion wurzelt: „Gäbe es keine Religion und ein Jude und ein Araber stünden sich nackt gegenüber, gäbe es keinen Unterschied zwischen ihnen. Sie wären gleich. Sie könnten in Frieden leben“, glaubt er.

Der Verband der schwedischen Humanistinnen und Humanisten zeichnete ihn im Jahr 2006 mit dem nach dem Philosophen Ingemar Hedenius benannten Preis aus, um ihn für sein Engagement für Humanismus, vernunftgeleitetes Denken und die Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen zu ehren.

Während es für ihn kein Problem sei, dass es nicht auf jede Frage eine Antwort gebe, fänden andere Menschen diese Antworten bei einem Gott: „Mich fasziniert die Tatsache, dass Menschen an etwas glauben können, für dessen Existenz es keinen Beweis gibt. Sie ordnen ihr Leben vollkommen einer Idee unter, als ob es ein Wesen namens Gott gäbe. Das fasziniert mich, weil ich es nicht verstehe.“

Dabei wäre genau das Fehlen von Antworten das Gute am Leben, schreibt er im ZEITmagazin. „Das hält uns neugierig. Das sorgt dafür, dass ich länger leben möchte, weil ich sehen will, was hinter der nächsten Kurve kommt. Schon jetzt fliegen riesige Teleskope durch das Weltall, wir können Milliarden Jahre in die Zukunft schauen. Das finde ich viel interessanter als die Frage, ob es Gott gibt oder nicht.“