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Skeptische Töne im aktuellen Chrismon-Magazin

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Radio-Moderator Jürgen Domian, Komiker Eckhart von Hirschhausen und Erfolgsautor Roger Willemsen äußern sich im aktuellen Chrismon-Magazin religionskritisch. Während Domian seinen Glauben an der Theodizee verloren hat, zeigen sich Willemsen und von Hirschhausen dem Glauben als Kulturgut und gesellschaftlichem Bindemittel gegenüber offen.
Montag, 13. August 2012
Skeptische Töne im aktuellen Chrismon-Magazin

Roger Willemsen zählt zu den erfolgreichsten deutschen Publizisten. In der aktuellen chrismon-Ausgabe wird der bekennende Single zu seinen Träumen, Ängsten und Hoffnungen befragt. Dabei geht es um Liebe und den Glauben, wobei die Liebe Willemsens großer Traum ist, während es ihm am Glauben jedoch mangelt. Er würde zwar gern an Gott glauben, weil er sich vorstellen könne, dass Gläubige „mit Zuständen der Not besser umgehen" können, sagte er dem evangelischen Magazin. Allerdings sei er vor Jahren aus der Kirche ausgetreten. Seither halten ihn die kircheneigenen Wiedereintrittsmechanismen davon ab, sich wieder dem Glauben zuzuwenden. Er schildert das in dem Interview folgendermaßen:

Ich hätte aber ein Wiedereinführungsgespräch machen müssen, und da habe ich gesagt: „Nein, das geht nicht, macht es mir nicht so schwer zurückzukommen."

Der Radiomoderator Jürgen Domian zeigt sich noch dezidierter religionsfern. Im Gespräch mit dem Komiker Eckhart von Hirschhausen über das Lachen im Angesicht des Todes sagte er dem Magazin, dass es weder in der Bibel noch in den Schriften anderer Weltreligionen etwas zum Schmunzeln oder gar Lachen gäbe. Daher käme wohl seine ernste Prägung. Außerdem habe ihn das Nachdenken über die Frage der Schuld („Warum bin ich mit Sünde zur Welt gekommen?") sowie die Theodizee vom Glauben abgebracht:

Das war eine der zentralen Fragen, als ich meinen christlichen Glauben verloren habe. Warum lässt dieser Gott, der mir als liebender Gott erklärt wird, so viel Leid zu? Ich weiß, es gibt kilometerlange Abhandlungen darüber, aber nichts davon hat mich überzeugt. Es wird damit argumentiert, dass das Leid letztlich auf den freien Willen des Menschen zurückzuführen sei. Nur, was hat es mit dem freien Willen zu tun, wenn ein Kind ­behindert zur Welt kommt, eine junge Mutter stirbt oder ein Erdbeben Hunderttausende dahinrafft?

Auch von Hirschhausen äußerte sich zumindest religionsskeptisch. Er glaube weder an einen „persönlichen Gott, der uns einen Schutzengel schickt" noch daran, „dass irgendwo geschrieben steht, wie mein Leben zu laufen hat." Auch die Wiedergeburt halte er für Humbug.

Nachttalker Jürgen Domian, der gerade ein Buch über den Tod veröffentlicht hat (Interview mit dem Tod, Gütersloher Verlagshaus), äußert sich auch kritisch über die Hospizszene. Es komme ihm „aufgesetzt" vor, wenn das Traurigste noch mit Humor gefüllt würde:

Wenn in einem Sterbehaus Fröhlichkeit und Leichtigkeit zur Ideologie erhoben werden, ist das für mich so, als würde man durch das Lachen den Tod erneut tabuisieren.

Die Äußerungen der Interviewten belegen einmal mehr, dass eine strikte Trennung von Gläubigen und Nicht-Gläubigen so einfach nicht zu ziehen ist, da sich Menschen von der Gemeinschaft und der Kultur der Kirchen durchaus angesprochen fühlen, ohne sich dabei auf Institutionen und Repräsentanten zu beziehen. Die Säkularen tun also gut daran, ihre kulturellen und sozialen Angebote, wie sie etwa der Humanistische Verband vorhält, auszubauen, um Menschen wie Willemsen, Domian und von Hirschhausen eine alternative geistige Heimat anzubieten.