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Presseschau: Skeptiker 4-2011

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Waldorfschüler und -pädagogen, Mozart und malende Ärzte stehen im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken.
Dienstag, 13. Dezember 2011
Skeptiker 4-2011

Bei manchen Eltern sind er inzwischen zum Godfather der besseren, kindgerechteren Pädagogik geworden – Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und Erfinder der Eurythmie. Der Gründer der Waldorf-Pädagogik erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit, trotz des dezidierten Rassismus und der sozialdarwinistischen Ausrichtung (im Stile eines Ernst Haeckel) in seinen Schriften. Nun mögen Schriften Schriften sein, zumal wenn es sich um historische handelt. Was hat es aber auf sich mit der Waldorferziehung? Die Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, Skeptiker, hat sich der „Versteinerten Erziehung" zugewandt und Steiners Pädagogik einer gehörigen Kritik unterzogen.

Worauf setzt die Waldorflehre? Zum Beispiel auf die Autorität des Lehrers, denn der Erzieherberuf ist ein „Priesterberuf", so Steiner. Dieser Priester wählt sich seine Gemeinde selbst, indem er sich eine schicksalhafte Gemeinschaft aus Cholerikern, Melancholikern, Phlegmatikern und Sanguinikern zusammenstellt. Diesen Temperamentträgern gibt er dann geistige Orientierung. Zu predigen gibt es auch eine Menge, etwa die Ganzheit des Seins, in der so überirdische Dinge wir Naturwesen, Elfen, Feen und Kobolde eine Rolle spielen, die wir nur nicht wahrhaben wollen. Um das zu glauben, müssen die Naturwissenschaften unterdrückt werden und finden bis zur 8. Klasse gar nicht statt. Die Kinder würden das auch nicht verstehen – was übrigens am Zahnstatus und –zustand abzulesen sei, folgt man Steiner und seinen Anhängern. Auf insgesamt zwölf Seiten nimmt der Pädagoge André Sebastiani Steiners Lehre detailliert und durchaus lesenswert auseinander. Man erfährt dabei noch einiges andere Erstaunliche, so dass das eigentlich Verwunderliche darin besteht, dass dieser pädagogische Humbug, der die Kritikfähigkeit von Kindern möglichst lange mit Geschichten über Atlantis oder Baumwesen klein hält, überhaupt so viel Anklang findet.

Wie seltsam es manchmal im Bereich der Bildung zugeht, zeigt ein zweiter Beitrag in der aktuellen Skeptiker-Ausgabe. Die Ansicht, dass sich die kognitiven Leistungen durch die Dauerberieselung mit Mozartklängen steigern lassen (sog. Mozart-Effekt), ist Teil einer lang gehegte Wissenschaftsposse, bei der fehlerhafte Interpretationen und verkürzte Darstellungen in den herkömmlichen Medien ihren Beitrag geleistet haben, wie der Skeptiker zeigt. Und so schade, wie das Ganze ist, ist es doch „tröstlich, dass man Mozarts Musik nun wieder aus purer Musikliebe hören kann."

Nepper, Schlepper, Bauernfänger sind aber nicht nur im Bildungsbereich unterwegs, wie Birgit Schwertfeger in ihrem Beitrag zu der sog. Lebensfeuer-Messung des Arztes Dr. Alfred Lohninger zeigt. Dieser hat eine Methode entwickelt, wie die Herzschlagfrequenz in einen Farbverlauf übersetzt wird. Das Bild kann dann als „Feuerwerk der Vitalität" oder eben als Beleg eines „Burnout-Syndroms" gelesen werden. Richtig, gelesen. Es geht hier um die berühmte Kaffeesatzleserei (weshalb wir hier auch keine Links setzen), die nicht erst seit gestern als Hokuspokus enttarnt ist. Wie das genau „funktionieren" soll und was der Wunderarzt Lohninger selbst dazu sagt, kann man im aktuellen Skeptiker nachlesen.

Außerdem in der Jahresendausgabe des Skeptiker

  • Interview zur Radiokarbon-Datierung des bislang unentschlüsselten Voynich-Manuskripts
  • Interview mit dem illuminatischen Stadtführers Michael Klarner
  • Bericht vom Denkfest in Zürich
  • Bericht vom Symposium im turmdersinne
  • Analyse der Grabplatte von Palenque
  • Bericht über Gesundbeter in Nigeria
  • Buchbesprechungen