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Presseschau: Skeptiker 2-2012

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Etwas skeptische Lektüre im Sommer kann nur gut tun - Die zweite Ausgabe 2012 des Skeptikers, der Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, ist erschienen.
Montag, 2. Juli 2012
Skeptiker 2-2012

Ein zentrales Thema ist diesmal die zunehmende Bedeutung der Paramedizin in unserer Gesellschaft. Markus Schulte von Drach beschrieb im ersten Teil seines Artikels (Skeptiker 1/2012), wie sich die sogenannten 'alternativen Mediziner' von den Quaksalbern und Marktschreiern früherer Zeiten zu seriösen Medizinern heutzutage entwickelt haben. Im zweiten und abschließenden Teil dieser Ausgabe zieht er eine Bilanz des aktuellen Booms paramedizinischer Verfahren wie beispielsweise der Homöopathie, Chiropraktik, Akupunktur, anthroposophische Medizin, Bach-Blüten etc. Obwohl der wissenschaftliche Fortschritt gezeigt hat, dass diese Theorien und Therapien überholt sind und meist wirkungslos bleiben, teilweise sogar die Anwendung Gefahren mit sich bringen kann, nimmt ihre Akzeptanz bei Patienten zu. Eine wichtige Rolle spielt dabei die persönliche Zuwendung, die der Patient in diesen Therapieverfahren häufig erfährt. Ferner sprechen die modernen 'Naturheiler' mit ihren Schlagworten die Sehnsucht nach einer Heilung im Einklang mit der Natur an und entsprechend stark wächst de Nachfrage. Ärzte, Krankenkassen und Hochschulen stellen sich vermehrt auf den Trend ein.

Im folgenden Beitrag der beiden Hochschulmediziner Manfred Anlauf und Klaus Dietrich Bock werden konkrete Irrtümer der so angeblich alternativen Medizin aufgeführt. Den beiden Autoren geht es vor allem darum zu zeigen, dass diese Art von Medizin weder eine Alternative zur wissenschaftlichen Medizin sein kann noch als ein sinnvolles Komplement für diese dienen kann. Sie verweisen auf den wichtigen und großen Unterschied zwischen einem nachweisbaren Heilungsprozess und einer auf Placebo zurückzuführenden Symptombesserung.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe beschäftigt sich mit der alten (Irr-)Lehre der Psycho-Physiognomik. Diese hatte auf dem Buchmarkt ein erstaunliches Comeback, indem sie behauptet, dass die Persönlichkeit eines Menschen aus seiner Kopfform ableitbar sei. So behauptet eine aktuelle Studie, dass Männer mit breiten Gesichtern angeblich als Manager besonders erfolgreich seien. Lassen sich also doch Charakterzüge aus der Gesichtsform herauslesen? Prof. Uwe Kanning erklärt als Wirtschaftspsychologe und Fachmann für Personaldiagnostik hier, warum Personaler auch in Zukunft bei Bewerbungsgesprächen das Zentimetermaß besser in der Schublade lassen. Anschließend analysiert Rouven Schäfer als aktiver Skeptiker und Personalleiter eines Marketingunternehmens warum immer noch im Personalrecruiting von Firmen häufig unseriöse und unwissenschaftliche Methoden genutzt werden.

Nicht nur für diejenigen, die ihren Sommerurlaub in Rumänien verbringen wollen, ist Bernd Harders Beitrag über Vampirzeichen interessant. Noch 2004 wurde in Rumänien eine Leiche enterdigt, das Herz des Toten verbrannt und anschließend die Asche verspeist, weil man den Verstorbenen für einen Vampir hielt. Zu dieser Überzeugung trugen nicht zuletzt mysteriös erscheinende Phänomene wie etwa Unverwestheit oder gar eine postmortale Erektion bei. Seid dem 18. Jahrhundert sind solche Erscheinungen bekannt, wie man es heute erklären kann, ohne gleich anzunehmen, auf einen Vampir getroffen zu sein, wird vom Autor anschaulich verdeutlicht.

Esowatch

Weiter gibt's im Heft

  • Ein Interview mit der Internetplattform EsoWatch, die sich schonungslos mit der parawissenschaftlichen Szene auseinandersetzt. Deutlich wird, wie und warum dieses Forum anonym bleibt, auch um sich vor kostenintensiven zivilrechtlichen Verfahren von Seiten der kritisierten Esoteriker zu schützen.
  • Den Bericht über die 6. Welt-Skeptikerkonferenz im Mai in Berlin, bei dem über 300 Teilnehmer aus aller Welt dabei waren und spannende Vorträge, eine „Séance" und - last, not least - die amerikanische Skeptiker-Legende James „The Amazing" Randi erleben konnten.
  • Einen Beitrag über 'Diesel aus dem Nichts'. Wäre doch zu schön, sein Auto einfach mit Wasser betanken zu können. Philippe Leick geht der Frage nach, ob die „Wirbelwandler-Technologie" eine Zukunft hat. Dabei soll nicht nur Kohlendioxyd in Wasser gespeichert werden, sondern dieses Wasser auch noch hälftig in der Vermischung mit Diesel zu Diesel werden. – Klingt noch sehr nach Sciencefiction.
  • Und wie immer noch ein paar aktuelle Meldungen und Rezensionen von Büchern.

Die Zeitschrift der Gesellschaft für die wissenschaftliche Untersuchung von Parawissenschaften können Sie hier bestellen.