Presseschau: Sceptical Inquirer 1-2012
Eine Antwort auf die Frage, wie man mit dem Fleischhunger einer wachsenden Weltbevölkerung umgehen kann, liegt sicherlich im Verzicht auf Fleisch, wie es in unserer aktuellen Ausgabe empfohlen wird. Doch ob das reicht, um die gravierenden Folgen der Fleischproduktion für Mensch und Umwelt zu lindern, ist fraglich. In-Vitro-Fleisch – so könnte die zweite Antwort auf die Frage lauten. Dieser Ansicht ist zumindest der Autor eines gleichnamigen Beitrags in der aktuellen Ausgabe des Skeptical Inquirer, Kenneth W. Krause. Krause meint, dass In-Vitro-Fleisch die nahrungsproduzierenden Industrie revolutionieren könnte, macht aber auch deutlich, dass bis dahin noch einige Probleme zu lösen sind, für die es vor allem eines braucht – ausreichende Forschungsgelder.
Diese werden – zumindest in den USA – aber auf einem ganz anderen Gebiet verschleudert, wie das Magazin für Wissenschaft und Vernunft in seiner Titelstory belegt. Die Autoren des Beitrags Mythologie messen legen eine komplette Aufstellung aller Regierungsausgaben für das Nationale Zentrum für Komplementär- und Alternativmedizin (NCCAM) und dessen Vorgänger-Büro für Alternativmedizin (OAM) vor, die deutlich macht, dass es den Lobbyisten der Alternativmedizin gelungen ist, Milliardenbeträge für eine völlig unsinnige Forschung zu erhalten. In den vergangenen 20 Jahren finanzierten Amerikas Steuerzahler Forschungsprojekte, mit denen man nach den positiven Wirkungen von recht skurriler Praktiken bei chronischen Erkrankungen, Schwer- und Schwerstkrankheiten suchte. So haben die Forscher am NCCAM mit der Hilfe von Millionen Dollars festgestellt, dass Handauflegen keinerlei Wirkungen auf Hirnkrebs hat, expressives Schreiben nicht bei Diabetes hilft, Gebete oder Pilzextrakte nicht bei HIV/AIDS hilft und Reiki keine sinnvolle Maßnahme ist, um Prostatakrebs zu heilen. Auf insgesamt 1,6 Mrd. US-Dollar in den letzten 20 Jahren beläuft sich die Förderung des NCCAM durch den Staat – ein Ende ist nicht abzusehen.
Im aktuellen Magazin wird auch einigen paranormalen Ereignissen auf den Grund gegangen, etwa einer weinenden Jungfrau auf einer Ikonenmalerei in Italien. Die Tränen stellten sich letztlich als Pflanzenöl heraus, die von außen auf die Ikone aufgetragen worden sein müssen. In einem zweiten Fall soll die Madonna einer italienischen Familie sogar geblutet haben. Tausende pilgerten zu der Familie, ihr Wohnzimmer wurde zum Wallfahrtsort. Wie die Polizei aber später feststellte, handelte es sich um das Blut eines Familienangehörigen, der Familie droht nun eine Klage wegen „Missbrauch der öffentlichen Leichtgläubigkeit".
Im aktuellen Sceptical Inquirer wird außerdem eine Versuchsreihe mit sog. Power-Armbändern vorgestellt, die zu dem Ergebnis geführt hat, dass diese seelischen Ausgleich und Kraft spendenden Bänder keinerlei Wirkungen besitzen. In einem weiteren Beitrag wird der Verbindung von Humor und paranormalem bzw. skeptischem Diskurs nachgegangen – mit dem Ergebnis, dass Skeptiker witziger sind als Gläubige. Und in einem lesenswerten Beitrag zur Informationskompetenz und Verschwörungstheorien lässt das Magazin aufklären, was etwa der sog. Black-Dalia-Mordfall in Los Angeles, Neil Armstrongs Mondspaziergang und das mysteriöse Priestertagebuch im Film Der Exorzist neben der anti-skeptischen Haltung gemeinsam haben. Außerdem wird die Reihe Verlorene und entdeckte Zivilisationen fortgesetzt.
In der Bücherschau wird Janet Reitmans Blick hinter die Scientology-Kulissen mit dem Titel Inside Scientology. The Story of Americas Most Secretive Religion empfohlen, während Brian Christians The Most Human Human. What Talking with Computers Teaches Us about What It Means to Be Alive beim Rezensenten eher gemischte Gefühle hinterlässt. Verissen wird Nick Redferns UFO-logisches Buch The Real Men In Black, welches dem Rezensenten zufolge nicht wesentlich mehr ist als "Gefasel".
Den Sceptical Inquirer können Sie hier beziehen.








