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Presseschau: New Humanist 1-2012

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Die aktuelle Ausgabe von "New Humanist", dem Magazin der britischen Rationalisten, befasst sich im Leitartikel mit den Vorwahlen zu den im Herbst anstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA.
Mittwoch, 15. Februar 2012
New Humanist 1-2012

Unter dem Titel Sie vertrauen auf Gott untersucht Abby Ohlheiser die Chancen der republikanischen Kandidaten, am 6. November gegen den amtierenden Präsidenten Barack Obama (Demokraten) gewinnen zu können. Ohlheiser schwingt sich nicht dazu auf, aus dem ursprünglichen Herausfordererfeld mit Rick Santorum, Ron Paul, Mitt Romney und Newt Gingrich sowie den inzwischen aus dem Wettrennen ausgeschiedenen Kandidaten Rick Perry, Herman Cain, Michele Bachmann und John Huntsman den potentiellen Herausforderer Obamas zu prophezeien. Aber ihrer Analyse der Anleihen und Unterstützer aus dem religiösen Spektrum ist höchst interessant und es mangelt ihr keineswegs an Aktualität.

Der allgemeinen medialen Verwunderung, dass der ehemalige Senator Rick Santorum momentan dem bisherigen Favoriten Mitt Romney den Rang abläuft, kann man mit Ohlheimer entgegenhalten, dass Santorum auf dem Feld der Religion einfach bessere Karten hat. 75 Prozent aller weißen Evangelikalen Wähler würden die Republikaner wählen, analysiert Ohlheimer, und da hätte Santorum, wenngleich erzkatholisch und nicht evangelikal, einfach bessere Karten als der Mormone Romney.Und wer sich fragt, warum die erzkonservative Sarah Pailin dieses Mal noch nicht angetreten ist, bekommt im aktuellen New Humanist einige Antworten. Aber unabhängig von dem Zweikampf an der Spitze, bei dem sich die Personalien auch noch einmal ändern könnten, kommt Ohlheiser zu einem ernüchternden Fazit. Wer auch immer das Rennen bei den Republikanern für sich entscheidet und gegen Obama antritt: In einer Gesellschaft, in der 67 Prozent der Bevölkerung Wert darauf legen, dass der Präsident in irgendeiner Form gläubig ist, wird der Sieger der Wahlen am 6. November definitiv kein Atheist sein.

Außerdem berichtet Francis Beckett, wie religiöse TV-Formate das britische Fernsehen BBC erobern und am Wochenende von der Matscheibe direkt in die britischen Wohnzimmer predigen. Zur besten Sendezeit wird da für „echte Bildung" im Sinne der Vermittlung christlicher Werte geworben, gegen Homosexuelle und sexuelle Aufklärung gehetzt – nicht selten in Verbindung mit dem Vorwurf der Pädophilie – und der Teufel heraufbeschworen, der die unmoralische britische Gesellschaft unterwandere. Mit Extremchristen wie Nick Seaton, Lynette Burrows, Reverend George Hargreaves und Reverend Betty King, die den Sonntagmorgen bei BBC in fester Hand haben, sei die religiöse Intoleranz auf dem besten Weg, in die Mitte der britischen Gesellschaft zu sickern, schließt Beckett.

Außerdem zieht das Magazin nach einem Jahr Arabischer Frühling eine Zwischenbilanz. Im Gespräch mit dem freien Journalisten und Afrika- und Nahost-Experten Fuad Nahdi versucht Paul Sims die Chancen auf eine tatsächliche Demokratisierung auszuloten. Nahdi macht darin die Notwendigkeit deutlich, dass die Menschen in Ägypten, Libyen und den anderen arabischen Staaten von dem Zustand des Protests in einen Zustand des Engagements kommen müssten, denn Engagement bedeute im Gegensatz zu Protest nicht einfach nur Lärm machen, sondern sich nach dem Lärm hinsetzen und darüber nachdenken, wie eine Gesellschaft funktionieren könne.

Darüber hinaus befasst sich Richard Wilson im aktuellen New Humanist mit dem wachsenden Einfluss wissenschaftlicher Beweise auf politische und gesellschaftliche Entscheidungen, hinter dem nicht nur ein aufklärerischer Ansatz stehe, sondern auch eine Lobby mit ihren egoistischen Interessen, meint Richard Wilson. Und der Geschichtsjournalist Thomas Land nimmt die neue ungarische Verfassung zum Anlass, auf die Notwendigkeit der historischen Aufarbeitung hinzuweisen, denn „keine demokratische Gesellschaft kann auf einem Lügengebäude aufgebaut werden".

Zur Lektüre empfohlen wird David Hoffmans The Dead Hand. The untold Story of the Cold War Arms Race and its Dengerous Legacy (Website zum Buch), Noo Saro-Wiwas Looking for Trans-Wonderland. Travels in Nigeria sowie Joe Bageants Rainbow Pie. A Memoir of Redneck America.

Mehr unter www.newhumanist.org.uk