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Presseschau: MIZ 1/2012

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Das kirchliche Arbeitrecht bildet das Schwerpunktthema der neuen Ausgabe der MIZ. Den Anlass bildet die vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) und der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) getragene Kampagne gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz. In insgesamt fünf Beiträgen widmet sich die Zeitschrift, diesem Thema.
Dienstag, 8. Mai 2012
MIZ 1/2012

Mit Berufung auf das kirchliche Selbstbestimmungsrecht werden ca. 1,2 Millionen Beschäftigten in Deutschland nicht nur grundlegende Arbeitnehmerrechte sondern auch Grundrechte verwehrt. In kirchlichen Einrichtungen gibt es kein Streikrecht, das Betriebverfassungsgesetz gilt nicht. Entsprechend profilieren sich die kirchlichen Träger mit ihrem eigenen Tarif- und Arbeitsrecht ungeniert als Vorreiter bei der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen. Und die katholische Kirche macht immer wieder von sich reden, in dem sie Beschäftigten, die gegen den katholischen Moralkodex verstoßen, kündigt. Der Willkür ist hier Tür und Tor geöffnet, kürzlich wurde in den USA eine Lehrerin von ihrer katholischen Schule entlassen, weil sie sich künstlich hatte befruchten lassen.

Der IBKA hat zur Untersuchung solch diskriminierender Praktiken in Deutschland eine Studie in Auftrag gegeben, über die ebenfalls im Heft berichtet wird. Die Befragung der im Bundestag vertretenen Parteien zum Thema Grundrechte der Beschäftigten von Kirchen durch die Redaktion der MIZ erbrachte das erwartete Ergebnis. Der Einfluss der Kirchenlobby ist mit Ausnahme der Linken, die die Forderungen der säkularen Bewegung und der Gewerkschaften weitgehend unterstützt, in allen Parteien groß. Sowohl die CDU als auch die einst kirchenkritische FDP sehen keinerlei Handlungsbedarf. SPD und Grüne sahen sich nicht in der Lage eine verbindliche Stellungnahme abzugeben und verwiesen auf laufende Diskussionsprozesse (Hier können Sie die Antworten der Parteien lesen).

Auch die weiteren Themen des Heftes, das sich in einem neuen Layout präsentiert, kreisen um das Thema der gesellschaftspolitischen Bedeutung christlichen Kirchen. Aus den Beiträgen über die Schulreform der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg und die Klage gegen die Konkordatslehrstühle in Bayern wird deutlich, wie weit deren Macht und Einfluss nach wie vor reichen. In Baden-Württemberg ist es den Kirchen durch massiven gelungen, dass die neu zu schaffende Schulform im vorliegenden Gesetzesentwurf als „christliche Gemeinschaftsschule" bezeichnet wird. In Bayern besitzen die Bischöfe entsprechend dem Konkordat von 1924, bei der Besetzung von bestimmten Lehrstühlen auch außerhalb der theologischen Fakultät ein Vetorecht, was dazu führt, dass nur der katholischen Kirche genehme BewerberInnen auf diese Lehrstühle berufen werden können. In beiden Fällen wird es vermutlich wieder einmal nur durch Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht möglich sein, die vom Grundgesetz gebotene Trennung von Kirche und Staat durchzusetzen.

Eine allerdings nicht unwichtige Fußnote zu diesem Thema bildet der Bericht über das Naturkundemuseum in Münster, das sich offenbar mehr der Religion als der Wissenschaft verpflichtet fühlt. Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche thematisieren auch die Stellungnahmen der VertreterInnen diverser säkularer Verbände zur Wahl von Joachim Gauck.

Ein Beitrag von Colin Goldner entlarvt den medialen Hype um die Shaolin-Kampfmönche als Legende. Das Ganze wird ergänzt durch Berichte über säkulare Veranstaltungen, Buchbesprechungen sowie Kurzmeldungen aus aller Welt. Ein sehr gelungenes Heft mit vielen interessanten Informationen für säkulare Menschen.

Mehr zum Magazin des Internationalen Bundes für Konfessionslose und Atheisten (IBKA) finden Sie hier.