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Presseschau: freidenkerIn 4-2011

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Die Zeitschrift freidenkerIn ist das Organ des Freidenkerbundes Österreichs. Das Heft 4/11 widmet sich dem Islam als Hauptthema. Aber auch dem Missbrauch in der dortigen Kirche und anderen Themen wird nachgegangen.
Montag, 27. Februar 2012
FreidenkerIn

Das Leitthema der Ausgabe 4/2011 widmet sich dem Islam. Es wird gefragt, ob er eine Gefahr ist oder doch als Friedensreligion gelten kann. Dazu wird Hartmut Krauss, bekannter deutscher Sozial- und Erziehungswissenschaftler und Initiator der kritischen Islamkonferenz 2008, interviewt. Dieser kritisiert, dass die bisherige Islamdebatte in Deutschland chaotisch und hysterisch-polemisch verlaufen ist. Er wirft den Akteuren vor, sich in medialen „Vorwurfs- und Diffamierungsritualen" in Szene zu setzen. Neben den dominanten proislamistischen Kräften zählt er die orthodoxen Islamverbände und rechtspopulistische Anti-Muslime zu den Streitgebern. Um sich aber mit dem Islam konstruktiv auseinanderzusetzen, sei eine kontraproduktive Diskussion eher hinderlich.

Ein interessanter Aspekt, allerdings hätte man sich hier Informationen über den Islam im österreichischen Kontext gewünscht. Anschließend erörtert Krauss den religionstheoretischen Hintergrund der Diskussion. Dabei kritisiert er vor allem, dass aus der unbewiesenen Behauptung der Existenz eines Gottes Regeln und Normen erschaffen werden, die vor allem für den Islam absolut verbindlich sind. Hier erweist sich als Problem, dass es im Islam keine im Sinne der Aufklärung nennenswerte Bewegung bisher gegeben hat. Daran könne auch der Versuch, eine humane Auslegung des Korans im europäischen Kontext zu etablieren, nicht hinwegtäuschen.

In der Rubrik Öffentlichkeit äußert sich Gerhard Engelmayer, Pressesprecher des österreichischen Freidenkerverbandes, zum Thema „Gegen klerikale Kinderschänder und ihre Privilegien!". Anlässlich eines Aktionstages gegen Missbrauch im Herbst letzten Jahres kritisierte er scharf die Benachteiligung der freidenkenden Menschen in Österreich. Man bekommt den Eindruck, dass es im Nachbarland noch schwieriger als in Deutschland ist, humanistische Prinzipien zu vertreten und in der Gesellschaft zu etablieren. Die Kirche ist dort dermaßen privilegiert und hat sich über die Jahrhunderte ungeheuren Reichtum angeeignet - so hat der Autor herausgefunden, dass  sie etwa zehn Prozent der Wiener Innenstadt besitzen. Engelmayer prangert außerdem den Missbrauch von Kindern an und möchte explizit an die Opfer sexueller Gewalt in einer Zeit erinnern, als es noch kein Internet und unabhängige Gerichtsbarkeit gab.

Weitere Themen der Zeitschrift sind u.a. Die Geschichte des kirchlichen Verbots, Zinsen für Kredite zu verlangen von Wolfhart Ziegelbauer, Die Geschichte des unbekannten Aufklärers Hermann Samuel Reimarus von Ronald Bilik und ein Artikel von Marco Meng über den Esoterik-Wahn.

Hier können Sie das Magazin freidenkerIn beziehen und ältere Ausgaben downloaden.