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Religionsparodien und Spaßreligionen: MIZ 4/12

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Mit einiger Verspätung, aber thematisch passend zur närrischen Jahreszeit, kommt die neue Ausgabe der MIZ daher. Religionsparodien und ihre Funktion bilden den Schwerpunkt des Heftes.
Donnerstag, 14. Februar 2013
Cover

Entsprechend werden die Leser_innen des Heftes mit der Teekanne, die die Sonne umkreist, dem unsichtbaren pinkfarbenen Einhorn und dem fliegenden Spaghettimonster bekannt gemacht. Das alles sind Erfindungen von Atheisten, die damit satirisch auf religiöse Glaubensvorstellungen reagieren und deren Absurdität anprangern. Durch das Internet verbreiten sich solche Spaßreligionen blitzschnell und schaffen es auch, mediale Aufmerksamkeit zu erregen.

Natürlich geht es auch um ernsthafte Themen. Die Auswirkungen des im November 2012 ergangenen Urteils des Bundesarbeitsgerichts zum Streikrecht bilden ein Thema sowie die Auseinandersetzung mit der christlichen Begründung von Werten und Moral. Der von Gita Neumann herausgegebene Band über Suizidhilfe bietet Anlass für eine ausführliche Beschäftigung mit diesem Thema. Ein Vertreter der Laizisten in der SPD präsentiert „Thesen für einen politischen, programmatischen und progressiven Laizismus des 21. Jahrhunderts“. In einem weiteren Beitrag wird das gesellschaftspolitische Konzept des russischen Dichters Leo Tolstoj vorgestellt. Seine vernunftbezogenen, aber dennoch religiösen Vorstellungen, machten ihn zum Kritiker der organisierten Religion und ihrer Rolle im Staat. Er entwickelte eine soziale Utopie und eine radikal-pazifistische Position, weshalb ihn der Autor als „christlichen Anarchisten“ bezeichnet.

Die in diesseits (Ausgabe 3/2012) begonnene Auseinandersetzung um die Anziehungskraft von Positionen der säkularen Bewegung auf Rechtspopulisten findet in einem Beitrag von Malte Jessl eine weitere Fortsetzung. In seinem in voller Länge online abgedruckten Beitrag legt der Autor dar, inwieweit sich einige Rechtspopulisten bei Argumenten aus der säkularen Szene bedienen, bis hin zur Propagierung eines „völkischen Humanismus“.

Auch wenn diese Zusammenführung zweier sich ausschließender Begriffe belegt, dass sein Erfinder nichts vom Wesen des Humanismus begriffen hat, verweist dies doch auf ein Problem: Radikale Religionskritik findet, vor allem wenn sie sich gegen Islam und Judentum richtet, schnell Beifall von der falschen Seite. Und das biologistische Positionen bei Rechten beliebt sind und schon von den Nationalsozialisten benutzt wurden, um Ausgrenzung und Völkermord zu rechtfertigen, ist ohnehin keine neue Erkenntnis. Auch wenn das eben Beschriebene wie Jessl ausführt vor allem ein Problem der Giordano Bruno Stiftung darstellt, verstehe ich seine Darlegungen als wichtiges Argument für eine humanistische Streitkultur, die allzu plakative und provokante Argumente ausschließt und sich ihrer politischen Verantwortung bewusst ist.