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Skeptiker 4/2012: Wider den Weltuntergang

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Es war der 21. Dezember 2012, der Mayakalender ging zu Ende und ich las die neue Ausgabe des ‚Skeptiker – Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken‘. Ein leichtes Zittern des Hauses und gleich stellte sich die Frage, ob wohl doch ein Supervulkan ausgebrochen war oder es nur die üblichen Erschütterungen einer vorbeifahrenden Trambahn waren? Sonnenstürme und Polverschiebungen sollten an diesem Tag zu Chaos führen, der Planet Nibiru sollte mit der Erde kollidieren und die Maya-Gottheit Blon Yokte‘ K’uh auf die Erde hinabsteigen … Das komplette Weltuntergansprogramm, wie wir es aus vielen Voraussagen schon kennen.
Mittwoch, 2. Januar 2013
Skeptiker 4-2012

Aber der Weltuntergang ist ausgeblieben. Sie haben daher noch Gelegenheit, den informativen Beitrag von Jochen Bergmann - Das Ende naht ... wieder einmal - über den aktuellen Weltuntergang zu lesen. Anhand von überprüfbaren Fakten zeigt er, dass sich auch die diesmal vorausgesagten Schreckensszenarien als Luftnummern erweisen werden und dass Weltuntergangsängste in der Maya-Kultur vollkommen unbekannt waren. Erwähnenswert auch seine Zusammenstellung von interessanter Literatur zum Thema und von entsprechenden Blogs und Informationsplattformen im Internet.

In ihrem Buch Die Homöopathie-Lüge kritisieren die Wissenschaftsjournalisten Nicole Heißmann und Christian Weymayr nicht nur die obskure Hahnemannsche Heilslehre, sondern auch die Methodik und Lehrmeinung der ‚Evidenzbasierten Medizin'. Ein von Bernd Harder geführtes Interview mit Christian Weymayr im aktuellen Heft verdeutlicht den Standpunkt der Autoren: „Homöopathie-Studien sind irrelevant." Für sie sind homöopathische Arzneimittel „nicht scientabel", also nicht mit den üblichen Werkzeugen der naturwissenschaftlichen Medizin greif- und erforschbar, weil die behaupteten Wirkzusammenhänge den Naturgesetzen widersprechen. Allein deswegen sei ihre Untersuchung von vornherein sinnlos und die Methodik der evidenzbasierten Medizin nicht anwendbar.

Der Aufsatz von Andre Sebastiani konkretisiert seine genau vor einem Jahr auch im Skeptiker veröffentlichte Kritik der Theorie und Praxis der Waldorfpädagogik. Jetzt beschreibt er die Resultate einer schriftlichen Befragung der Schulbehörden aller Bundesländer. Mit dieser Befragung wollte er prüfen, wieweit den Schulaufsichtsbehörden die anthroposophischen Grundlagen der Waldorfpädagogik bekannt sind. Anlass war die Tatsache, dass die Hamburger Schulbehörde plant im Rahmen eines Schulversuchs zum Schuljahr 2014/15 im Problemstadtteil Wilhelmsburg eine voll staatlich finanzierte Waldorfschule einzurichten, um so zu verhindern, dass bildungsnahe Elternhäuser ihre Kinder nicht in benachbarte Waldorfschulen schicken. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sowohl die Schulaufsichtsbehörden wie die breite Öffentlichkeit Waldorfschulen als besondere Schulen mit einem ganzheitlich-künstlerischen Anspruch wahrnehmen, aber von der Esoterik und Unwissenschaftlichkeit, die sich hinter der schönen Fassade verbergen, wenig wissen.

Sind Sie ein Einatmer? - Dann ist Ihr Leben vom Mond beeinflusst. Oder sind Sie eher der ausatmende Typ? - Dann ist der Einfluss der Sonne stärker. Die Terlusollogie, die Lehre von den Atemtypen, hat in den letzten Jahrzehnten stark an Popularität gewonnen. Gesangslehrer, Instrumentalpädagogen, Ärzte, Logopäden, Atemtherapeuten und Leistungssportler orientieren sich inzwischen an dieser Lehre. Der Sprechwissenschaftler Frederik Beyer zeigt allerdings in seinem durch umfangreiches empirisches Material belegten Beitrag, dass es sich bei der Terlusollogie um eine pseudowissenschaftliche Lehre handelt, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standgehalten hat.

Professor Roland Glaser untersucht als Biophysiker Hypothesen über geo- und solarmagnetische Einflüsse auf den Menschen. Er kommt zu dem Schluss, dass nach aktuellem Wissensstand eine bedeutsame Auswirkung von Sonnenaktivitäten und kosmischen Magnetstürmen auf den Menschen nicht sehr wahrscheinlich sind.

Ein Rückblick auf 25 Jahre GWUP von Amardeo Sarma und der Nachruf auf einen der Gründungsväter der Skeptiker-Bewegung, den verstorbenen amerikanischen Philosophen Paul Kurtz, machen deutlich, wie viel die Skeptiker in den letzten Jahrzehnten hinsichtlich, Aufklärung und Verbraucherschutz bewegt haben.

Den aktuellen Skeptiker können Sie hier bestellen.