Direkt zum Inhalt

Presseschau: Kulturkampf in Baden-Württemberg und Beschneidung sind Themen im Humanistischen Magazin

Druckversion
Freitag, 7. September 2012
Audio Symbol

In der aktuellen Ausgabe der Radiosendung Humanistisches Magazin wird die Einmischung der Kirchen in die Schulreform in Baden-Württemberg aufgegriffen. Hintergrund ist die Einrichtung einer neuen Schulart, der Gemeinschaftsschule, mit der man im Ländle die bisher übliche Bewertung der Schüler „nach Begabung" und deren Sortierung auf Haupt- und Realschule bzw. Gymnasium nach der 4. Klasse aufheben und in Zukunft ein längeres gemeinsames Lernen aller Schüler ermöglichen will. Nun gab es aber bereits eine christliche Gemeinschaftsschule, s dass die Kirchen im Anhörungsprozess zum neuen Gesetz meinten, aus dieser Namensgleichheit weitgehende Mitspracherechts ableiten zu können. Die Landesregierung schob dem keinen Riegel vor. Eine öffentliche Debatte über diese Einmischung gab es ebenfalls nicht. Das Land verhinderte diese durch Hinterzimmermauschelei. Die Konsequenzen sind weitreichend, wie man in der Radiosendung hören oder aber hier nachlesen kann.

Außerdem wird im Humanistischen Magazin ein Interview mit dem Vorsitzenden des HVD-Bayern, Helmut Fink, zur Frage der Zulässigkeit von religiös-motivierten Beschneidungen bei Jungen geführt. Im Zentrum stehen dabei die Fragen, wie weit die Religionsfreiheit im säkularen Staat gehen darf und wo genau sie vom Recht auf körperliche Unversehrtheit begrenzt wird. Fink vertritt die Position, dass die Religionsfreiheit an ihre Grenzen stößt, wenn Körperverletzung ins Spiel kommt - zumal es in der Debatte vorwiegend um die Religionsfreiheit der Eltern gehe und nicht um die der Kinder, die diese auch genössen. Ähnlich hatte sich kürzlich auch Dr. Dr. Joachim Kahl im diesseits-Magazin geäußert.

Fink kommt in dem Gespräch auch auf den Offenen Brief zu sprechen, den der bayerische Landesverband des HVD gemeinsam mit der Regionalgruppe der Giordano Bruno Stiftung an den UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit Heiner Bielefeld geschickt hatte. Bielefeld hatte sich für die Beschneidungspraxis ausgesprochen, die seiner Ansicht nach auch nicht die Religionsfreiheit der Kinder einschränke, weil diese ja unabhängig von der Beschneidung immer noch eine andere religiöse oder weltanschauliche Position einnehmen könnten.

Eine Debatte über Beschneidungen in Deutschland hält Fink auch vor dem historischen Hintergrund für durchführbar, wenn diese auf rationaler Ebene geführt wird. Der Politik empfiehlt er, möglichst viele Stimmen zuhören und eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Eine entsprechende Petition der Deutschen Kinderhilfe und des Bundes Deutscher Kriminalbeamten unterstützt auch der HVD. Der Bundestag hatte diese Petition zunächst abgelehnt. Noch ist unklar, ob er sie zulässt.

Die Audio-Datei der Radio-Sendung kann hier als MP3-Datei heruntergeladen werden.