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Tausche Schulen gegen Kirche

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Während in Rumänien in weiten Teilen des Landes Armut herrscht, unterstützt die rumänische Regierung den Bau der 600 Millionen Euro teuren Erlöserkathedrale in Bukarest.
Sonntag, 31. Juli 2011

Wie Deutsche Welle TV in dem Filmbeitrag Rumänien - Die Erlöserkathedrale (DE, EN) berichtet, sind in Rumänien in den vergangenen 20 Jahren über 4.000 Kirchenhäuser mit staatlicher Hilfe entstanden. Nun entsteht in der Hauptstadt Bukarest zu Füßen von Ceauşescus berühmt-berüchtigten Palast des Volkes eine gigantische Kirche für 600 Millionen Euro - finanziert natürlich mit Staatsmitteln. Das 200 Millionen Euro teure Grundstück hat die rumänische Regierung ebenfalls spendiert.

Remus Cernea von den rumänischen Humanisten sagte dem Fernsehsender, dass die Trennung von Staat und Kirche unterlaufen würde und die Demokratie in Rumänien in Gefahr sei. Der Staat gibt für die Unterstützung der Kirche bekommt laut Auskunft des Humanisten mehr als doppelt soviel Geld aus, wie für Kultur oder wissenschaftliche Forschung ausgegeben wird.

Erlöserkathedrale Bukarest

Screenshot des Beitrags "Rumänien - Die Erlöserkathedrale" bei Deutsche Welle TV

Die Kathedrale zur Erlösung der Nation, wie der gigantische Kirchenbau heißen wird, soll nach Fertigstellung sogar den benachbarten, 86 Meter hohen Palast des Volkes überragen. Rumäniens kommunistischer Diktator Nicolae Ceauşescu hatte zur Errichtung des jetzigen Parlamentssitz ganze stadtviertel niederreißen lassen, um Platz für das weiterhin größte Gebäude in Europa zu schaffen. Der Staatssekretär für religiöse Angelegenheiten Adrian-Nicolae Lemeni sagte dem Fernsehsender, dass der rumänische Staat den Bau unterstütze, weil die Kathedrale die "nationale Würde" Rumäniens symbolisieren würde.

Im Durchschnitt sei in den vergangenen 20 Jahren alle zwei Tage ein neues Gotteshaus errichtet und zugleich drei Schulen geschlossen worden. Immer öfter werde der Betrieb von Krankenhäusern eingestellt, erfährt man aus dem Film. Eine Studie des Europäischen Statistikamtes Eurostat hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass 2008  in Rumänien jedes dritte Kind und fast jeder vierte Bürger von Armut betroffen war. Lediglich in Lettland war die Gefahr für Bürger höher, von Armut betroffen zu sein.

Die grassierende Armut in Rumänien habe Rumäniens Bürger in die Arme der Orthodoxen getrieben, heißt es in dem Filmbeitrag. Ein Kirchenbau für insgesamt ca. 800 Millionen Euro wird die Armut in Rumänien kaum beseitigen.

Nachtrag: Die rumänischen Kirchenführer wollten sich gegenüber dem deutschen Fernsehteam nicht zum Bau der Kathedrale äußern.