Schwedische Kirche: Kein Rückhalt in Bevölkerung

Leere Kirchenbänke - in Schweden scheint dies bald eine Normalität zu sein. Nur jedes sechste Kirchenmitglied pflegt noch eine feste Bindung zur Kirche | © Thomas Hummitzsch
Lediglich 15 Prozent der Mitglieder der schwedischen Kirche glauben an Jesus. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die unter 10.000 Kirchenmitgliedern durchgeführt wurde. Von den ca. 6,6 Millionen „Mitgliedern" (von denen die meisten nicht aktiv sind), sind lediglich etwa 400.000 Kirchgänger. Viele Mitglieder sind nicht wegen des Glaubens, sondern vielmehr wegen des sozialen Engagements der Kirche weiterhin Kirchenmitglied, meint der Religionssoziologe der schwedischen Kirche Jonas Bromander, der für die Studie Member 2010 verantwortlich war. Auch die Tatsache, dass die Kirche manche Traditionen bewahre, sei ausschlaggebend für einige, in der Kirche zu bleiben.
Diese auf den ersten Blick erstaunlichen Ergebnisse verwundern nicht, wenn man die Entwicklung der Säkularisation in der schwedischen Gesellschaft nachvollzieht. Bis 1996 wurde fast jeder schwedische Bürger Mitglied der Kirche, ohne je getauft worden zu sein. Die Kirche hatte staatliche Aufgaben zu erfüllen. So führte sie etwa mittels ihrer Kirchenbücher das Einwohnermeldeamt.
Erst im Jahre 2000 wurde die Trennung von Staat und Kirche beschlossen. Die Kirchensteuer, die immerhin fast 340 Million Euro im Jahr beträgt, wird nicht mehr automatisch vom Lohn abgezogen. Die schwedischen Bürger können nun bei ihrer Steuererklärung selbst entscheiden, ob das Geld den katholischen, muslimischen, jüdischen o.a. Institutionen zukommt.
Allein diese Zahlen werfen die Frage auf, ob und welche Rolle die Kirche in der schwedischen Gesellschaft zukünftig einnehmen wird. Hinzu kommen die Ergebnisse einer weiteren Umfrage der schwedischen Kirche, für die 3.000 Schweden befragt wurden. Den Ergebnissen dieser Umfrage zufolge fordern 60 % der Schweden, dass sich die Kirche aus politischen Angelegenheiten heraushalten soll. Zwar könne sie bei konkreten sozialen Fragen ihre Erfahrung einbringen und Missstände ansprechen, aber politische Beeinflussung, Lobbyarbeit oder die Kooperation mit Parteien oder anderen Organisationen sollen unterbunden bleiben.
Die Humanisten in Schweden (Swedish Humanist Association) wird es freuen.







