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Protestbrief nach Papsteinladung

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Anlässlich seines Rombesuchs Ende Februar lud der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek Papst Benedikt XVI. ein, in einer Plenarsitzung des Parlaments zu den Abgeordneten zu sprechen. Europäische Humanisten und Säkulare fordern nun die Zurücknahme der Einladung.
Freitag, 4. März 2011

Anlässlich seines Rombesuchs Ende Februar 2011 hat der Präsident des Europäischen Parlaments Jerzy Buzek Papst Benedikt XVI. eingeladen, im Rahmen einer Plenarsitzung zu den Europäischen Abgeordneten zu sprechen. Buzek sitzt für die christlich-demokratische und wirtschaftsliberale polnische Bürgerplattform (Platforma Obywatelska, PO) im Europäischen Parlament. Der Europäische Humanistische Verband (European Humanist Federation, EHF) und die Arbeitsgruppe für die Trennung von Staat und Kirche im Europäischen Parlament (European Parliament Platform for Secularism in Politics, EPPSP) kritisierten dies in einem Protestbrief deutlich und forderten Buzek auf, seine Einladung an den Papst noch einmal zu überdenken.

Das Europäische Parlament sei ein Ort der Vielfalt, in dem nicht einzelne Glaubensinhalte oder Überzeugungen bevorzugt Raum finden sollten, heißt es in dem Schreiben. Das Parlament "berät und beschließt in den Plenarsitzungen Richtlinien für alle 500 Millionen europäischen Bürger, unabhängig von ihrer Weltanschauung, ihrem Glauben oder Religion. Es ist völlig unangemessen, wenn diese Plenarsitzungen als Podium für religiöse Botschaften verwendet werden", schreibt die niederländische Politikerin Sophie Helena in 't Veld in dem Protestbrief. Sie vertritt die sozialliberale niederländische Partei Democraten 66 im EP.

Brisant an der Papsteinladung von EP-Präsident Buzek ist ferner, dass er den mehrmaligen Bitten eines Austauschs von EHF und EPPSP hinsichtlich des Verhältnisses der EU-Institutionen zu Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften bisher nicht nachgekommen ist. Erst kürzlich hatte Buzek ein lange anvisiertes Treffen überraschend abgesagt. Angesichts der nun erfolgten Einladung an den Papst sei ein Austausch zum Verhältnis der EU-Institutionen zu Kirchen und Weltanschauungsorganisationen dringender den je, heißt es in dem Schreiben. 

Die Europäische Union habe die Rechte eines jeden Bürgers zu verteidigen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung, so EHF und EPPSP in dem Schreiben an Jerzy Buzek. Die Religionsfreiheit eines jeden EU-Bürgers „kann nur gewahrt werden, wenn die EU-Institutionen nicht bestimmte Glaubensgemeinschaften bevorzugen." Alle Meinungen und Überzeugungen müssten angehört werden, einschließlich der säkularen Stimmen, lautet daher die Forderung von EHF und EPPSP.

Wortlaut des Protestbriefes im englischsprachigen Original