Presseschau: La Raison November 2011
Fünf Monate nach Veröffentlichung befassen sich die französischen Freidenker in ihrer November-Ausgabe mit dem sog. Cloyne-Report, der den systematischen Missbrauch von Kindern unter dem Dach der katholischen Kirche in Irland offenlegte und zu einem Eklat zwischen der irischen Regierung und dem Vatikan sorgte. Irlands Premierministerin Enda Kenny, selbst katholischer Konfession, hatte die Kirche aufs Schärfste kritisiert, der Vatikan hatte seinen Nuntius in Irland zurückgezogen. Diese Rede sowie die Reaktion des Vatikan analysieren die Freidenker Frankreichs in ihrem Magazin. Der Cloyne-Report war nach den sog. Ryan- und Murphy-Berichten bereits der dritte Bericht zum Kindesmissbrauch in Irland, jedoch hatte hier erstmals die katholische Kirche offensiv versucht, die von der Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung zu behindern.
Der Präsident der amerikanischen Atheisten, David Silverman, erklärt in einem Beitrag, warum um ein Kreuz an Ground Zero eine emotionsgeladene Debatte entbrannt ist. Aus den Ruinen des World Trade Center wurde ein Stahlkreuz geborgen, welches dem christlichen Kreuz ähnelt. Dieses Kreuz ist nun Zentrum des offiziellen WTC-Museums. Die amerikanischen Atheisten hatten sich dagegen ausgesprochen:
Wir lieben dieses Land und unsere Verfassung. Wir gedenken den Toten und respektieren ihre Familien – und gerade deshalb lassen wir es nicht zu, dass man den vielen Opfern christlicher Konfession im Vergleich zu den nicht-christlichen Opfern der Anschläge des 11. September bevorzugt gedenkt.
Außerdem blicken die französischen Freidenker auf den Papstbesuch im August in Spanien und die Proteste zurück. Tausende hatten in Madrid gegen die öffentliche Finanzierung der Papstvisite demonstriert. Dabei kam es auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen einiger Demonstranten mit der Polizei. Der Autor des Rückblicks nimmt aber vor allem die Anhänger der sog. Generation Benedikt in den Blick, die einen Jubelchor für die rückwärtsgewandte Weltdeutung des Papstes veranstalteten und damit den Effekt entstehen ließen, die Mehrheit der Menschen will einen absolutistischen Kirchenmonarchen, der den Staat und seine Gewalten in seine Grenzen weist.
Ansonsten kümmern sich die französischen Freidenker in ihrem Magazin La Raison einmal mehr um ihre sozialistisch-kommunistische Tradition und befassen sich mit den Perspektiven von Marx und Lenin zum Glauben bzw. Nicht-Glauben. Im Rückblick auf ein Jahr der Berichterstattung wird deutlich, dass die immer gleichen Parolen gedroschen werden. Ein Blick in das französischsprachige Freidenker-Magazin lohnt sich kaum noch. La Raison ist inzwischen wenig mehr als die Kampfpostille der kommunistischen Seilschaften Frankreichs. diesseits.de wird aus diesem Grund die regelmäßige Auswertung des Magazins zum Jahresende einstellen.








