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Papst tauscht sich mit EU-Ratspräsident über Religionsfreiheit aus

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Während der Konflikt zwischen den europäischen Institutionen und der Europäischen Humanistischen Föderation (EHF) weiter schwelt, trifft sich EU-Ratspräsident Herman van Rompuy mit Papst Benedikt XVI. und tauscht sich mit ihm über Fragen der Religionsfreiheit aus.
Mittwoch, 16. November 2011
EU-´Vatikan

EU-Institutionen und Vatikan - Europas organisierte Säkulare bewerten das Verhältnis als viel zu nah | Grafik: Thomas Hummitzsch

Wie das Pressebüro des Vatikanstaats miteilte, hat sich Papst Benedikt XVI. am Samstag mit EU-Ratspräsident Herman van Rompuy getroffen, um sich mit ihm über die allgemeine internationale Lage auszutauschen und um über den Beitrag zu sprechen, den die katholische Kirche in der Europäischen Union leisten wolle. Disbezüglich wurden die Gespräche nach dem Zusammentreffen von Joseph Ratzinger und Herman van Rompuy mit dem Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone und dem vatikanischen Sekretär für zwischenstaatliche Beziehungen, Erzbischof Dominique Mamberti, fortgesetzt.

Im Laufe des Treffens soll man sich auch über menschenrechtliche Fragen, insbesondere über die Religionsfreiheit, ausgetauscht haben. Über solche Fragen will die Europäische Humanistische Union seit Monaten mit der Europäischen Kommission sprechen. Die Kommission verweigert diesen Dialog mit den Humanisten jedoch, während sie sich bereits seit Jahren mit den Lobbyisten der beiden großen Kirchen regelmäßig trifft. Im Oktober legte die EHF daher eine Beschwerde beim Europäischen Bürgerbeauftragten ein.

EU-Institutionen und EU-Spitzenpolitiker präsentieren sich immer wieder in der Näher der Kirchen. So spielte sich erst im Mai eine diplomatische Posse während der Seligsprechung des Ratzinger-Vorgängers Johannes Paul II. in Rom ab, weil dort neben van Rompuy auch Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Parlamentspräsident Jerzy Buzek geladen waren und es ein Gerangel hinter den Kulissen um die Plätze und den Empfang beim Papst gab. Anfang März hatten sich die in der EU organisierten säkularen Kräfte bei Parlamentspräsident Buzek beschwert, nachdem dieser Papst Benedikt XVI. zu einer Rede vor dem Europäischen Parlament (EP) eingeladen hatte.

Das Ziel der katholischen Kirche ist erklärtermaßen die Missionierung Westeuropas. Dafür wurde erst im vergangenen Jahr mit dem Päpstlichen Rat zur Neuevangelisierung Europas eine eigene Behörde im Vatikan gegründet. In den gesprächen mit der EU führen vatikanische Vertreter immer wieder die Legende an, dass christliche Symbole und Werte auf der europäischen Ebene zurückgedrängt würden. Das Gegenteil ist der Fall: Die Kirchen, ihre Vertreer und Lobbyverbände sowie die Vatikanisti genießen den exklusiven Austausch, während die Humanisten noch für diesen kämpfen müssen.