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Malta entscheidet sich für Scheidung

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Die Katholische Kirche musste im Referendum zur Legalisierung der Scheidung in Malta eine herbe Niederlage einstecken. Auch wenn erst das Parlament die Legalisierung durchsetzen kann, ist der Erfolg der Initiatoren mehr als nur ein Achtungserfolg.
Montag, 6. Juni 2011
Malta_Scheidungskampagne

Mit riesigen Aufstellern nahm die Katholische Kirche Einfluss auf das Referendum zur Legalisierung von Scheidungen in Malta

Maltesische Paare, die seit mindestens vier Jahren getrennt leben und deren Versöhnung ausgeschlossen ist, sollen sich scheiden lassen können. Dies entschied Maltas bevölkerung in einem Referendum, welches Ende Mai abgehalten wurde.

Trotz der massiven Einflussnahme der katholischen Kirche haben sich Ende Mai 53 % der Malteser in der Abstimmung für die Legalisierung der Scheidung ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 %. Malta war neben den Philippinen der letzte Staat weltweit, in dem Scheidungen gesetzlich verboten waren. Die Römisch-Katholische Kirche, der 98 % aller Bewohner Maltas angehören, hatte in Gottesdiensten und überdimensionalen Werbetafeln gegen die Legalisierung Stimmung gemacht.

Da die Abstimmung aber nur empfehlenden Charakter hat und das maltesische Parlament über die Zulassung der Scheidung zu entscheiden hat, ist der Erfolg der Initiatoren nur ein Etappensieg. Regierungschef Lawrence Gonzi sagte bei der bekanntgabe des Ergebnisses, dass der Ausgang des Referendums nicht seinen Wünschen entspreche, das Votum des Volkes aber respektiert werden müsse. Daher würde das Parlament nun ein Gesetz zur Legalisierung der Scheidung beschließen.

Ganz anders äußerten sich hingegen einige fundamentalistische Parlamentarier, die angekündigten, sich im Parlament trotz dem mehrheitlichen Votum der Bevölkerung für die Scheidung gegen deren Legalisierung auszusprechen. Vor dem Wahlgang hatte der US-Wissenschaftler Stephen Schwartz gewarnt, dass Malta von den Islamisten erobert würde, wenn sich eine Mehrheit für die Legalisierung der Scheidung ausspräche. Im Vorfeld der Abstimmung soll es außerdem zu unzulässigem Druck auf Wähler von Seiten der Scheidungsgegner gekommen sein.

Bislang durchlaufen die meisten getrennten Paare einen Prozess zur gesetzlichen Trennung, der jedoch nicht mit einer Scheidung gleichgestellt ist und ebenfalls keine erneute Ehelichung ermöglicht. Stattdessen bleiben bislang die Treuepflichten zwischen den Ehegatten und mögliche Unterhaltsverpflichtungen bestehen.