Direkt zum Inhalt

Island: Politiker verzichten auf religiösen Staatsakt

Druckversion
Jeder fünfte Parlamentarier besucht humanistische Debatte statt religiöse Parlamentseröffnung.
Dienstag, 4. Oktober 2011
Island HUmanistische und Ethische Union

Jeder fünfte isländische Parlamentarier fühlt sich dem Humanismus näher als dem Protestantismus. Diesen Schluss lassen die Besucherzahlen des philosophischen Frühstücks für Parlamentarier zu, das die Humanistische und Ethische Union in Island (Sidmennt) am 1. Oktober parallel zur traditionellen lutherischen Messe angeboten hat. Wie die Organisation berichtet, blieben 13 von 63 Abgeordneten der religiösen Eröffnungssitzung des Parlaments im Herbst in der Nationalkathedrale fern und besuchten stattdessen die säkulare Debatte zum Thema „Wie wir bessere Entscheidungen treffen".

Sidmennt bietet seit vier Jahren die Alternative einer inspirierenden philosophischen Diskussion an. Das religiöse Ritual in der Nationalkathedrale von Reykjavík bewerten die isländischen Humanisten als ungeeignet „für eine säkulare Regierungsorgan eines demokratischen Staates im 21. Jahrhundert".

Sidmennt Säkulare Parlamentseröffnung

13 von 63 Parlamentariern kamen in ein dem Parlament gegenüberliegendes Hotel zur säkularen Eröffnung des parlamentarischen Jahres.

Bei der ersten Veranstaltung vor vier Jahren waren lediglich drei Mitglieder des Parlaments anwesend. Am vergangenen Samstag kamen 13 Abgeordnete von vier der fünf politischen Parteien in Islands Parlament. Dies entspricht 20 % aller Abgeordneter und damit auch den gesellschaftlichen Realitäten Islands, wo etwa vier Fünftel der Bevölkerung als Mitglied in der evangelisch-lutherischen Staatskirche registriert sind. In Artikel 62 der isländischen Verfassung ist die Staatskircheneigenschaft verankert und gesetzlich geschützt. Dort heißt es:

(1) Die Evangelisch-lutherische Kirche ist Staatskirche und wird als solche vom Staat unterstützt und geschützt.

(2) Diese Bestimmung kann durch Gesetz geändert werden.

Die isländischen Humanisten wollen auch weiterhin eine säkulare Alternative zur religiösen Parlamentseröffnung anbieten, die sie als Verletzung der Trennung von Staat und Kirche ansehen:

Wir sind sehr stolz auf dieses Erlebnis und werden auch weiterhin dafür kämpfen, dass das Parlament seine neue Sitzungssession nicht mit einer religiösen Zeremonie beginnt. Das isländische Parlament soll ALLE Isländer repräsentieren und nicht nur die 78 %, die Mitglieder der Staatskirche sind – und von denen die meisten dort sind, weil sie bei der Geburt in der religiösen Organisation der Mutter eingetragen wurden.