Direkt zum Inhalt

US-Stiftung verklagt Blumenhändler wegen religiöser Diskriminierung

DruckversionEinem Freund senden
Weil die Floristin Marina Plowman keinen Strauß Rosen an eine 16-jährige Atheistin ausliefern wollte, wurde sie jetzt von der Freedom from Religion Foundation verklagt.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Foto: privat

Wird aus ihrer Heimatstadt nicht mehr mit Blumen beliefert: Jessica Ahlquist. Foto: privat

Twins Florist, ein Floristikgeschäft und Familienbetrieb seit 1951, in der Kleinstadt Cranston im US-Bundesstaat Rhode Island will Menschen eigentlich nur Freude machen. Twins Florist beschreibt sich als „Ort der Erholung und Unterhaltung“. Mit Blumen, Gestecke für Hochzeiten und einem Plausch bei einer Tasse Cappuccino wirbt Inhaberin Marina Plowman normalerweise um ihre Kunden – solange sie nur keine Atheisten sind.

Das wurde klar, als die Freedom from Religion Foundation im Januar vergangenen Jahres versucht hat, der durch einen Streit um ein Schulgebet bekannt gewordenen Highschool-Schülerin Jessica Ahlquist einen Strauß Rosen zukommen zu lassen.

Die Stiftung wollte Jessica zu ihrem Erfolg gratulieren, nachdem das Bezirksgericht ihr im Streit um ein öffentlich ausgehängtes Schulgebet Recht gegeben und dessen Entfernung aus der Aula der Schule angeordnet hatte. Die damals 15-jährige hatte geklagt, weil die Aushängung gegen die Grundsätze der US-Verfassung verstößt. Das bestätigten die Richter Anfang letzten Jahres.

Der Versuch, Jessica Ahlquist mit einem Strauß und einer Grußkarte zu beehren, war in ihrer Heimatstadt allerdings zum Scheitern verurteilt. Der Auftrag beim Onlinehändler Floral Express wurde von Twins Florist abgelehnt: „Ich werde an diese Person nicht liefern“, hieß es in der Antwort von Marina Plowman. Auch drei weitere Versuche, den Auftrag an Blumenhändler in Cranston und Umgebung zu vergeben, schlugen fehl. Zwei der Händler lehnten den Auftrag mit dem Hinweis ab, in „diese Sache“ nicht verwickelt werden zu wollen und berichteten über Drohbotschaften und Boykottwarnungen.

In ihrer Klage beruft sich die Stiftung nun auf die Antidiskriminierungsgesetze des Bundesstaates, nach denen Händler ihre Kunden nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen diskriminieren dürfen. Annie Laurie Gaylor, Vizepräsidentin der Freedom from Religion Foundation, reichte außerdem einen Antrag an die Kommission für Menschenrechte des Bundesstaates ein, den Fall zu untersuchen. Doch auch dagegen regt sich Widerstand: Mittlerweile wurde auf Facebook eine Fanseite eröffnet, wo die Befürworter der Diskriminierung von ungläubigen Kunden um Solidarität mit Cranstons Blumenhändler werben.

Schließlich erklärte sich jedenfalls doch noch ein Florist in der rund 50 Kilometer entfernten Stadt Putnam im benachbarten Bundesstaat Connecticut bereit, an Jessica Ahlquist Blumen zu liefern. Glimpse of Gaia, so der Name des Geschäfts, sagte nicht nur zu, der Bitte der Stiftung nachzukommen und Jessica den Rosenstrauß zukommen zu lassen. Der Inhaber ergänzte die Lieferung um ein zweites Blumenbouquet und die Nachricht: „Glimpse of Gaia unterstützt voll den ersten Verfassungszusatz und wird sich nicht von denen mobben lassen, die das nicht tun.“

Zum Thema: