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Papst unterstützt russisch-orthodoxe Kirche in unbarmherziger Haltung gegenüber Pussy Riot

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Der Papst hat die knallharte Haltung der russisch-orthodoxen Kirche im Fall der Verurteilung der beiden Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot unterstützt.
Freitag, 19. Oktober 2012
Pussy Riot

Die russische Punk-Band "Pussy Riot" tritt meist mit verhüllten Gesichtern auf | Foto: wikimedia commons

Bei einem Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und dem außenpolitischen Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche im Vatikan, Hilarion Alfeyev, soll das Oberhaupt der katholischen Kirche seine Solidarität mit der russisch-orthodoxen Kirche und sein Erstaunen über das Urteil kritisierenden Presseberichte ausgedrückt haben. Eine entsprechende Pressemeldung ist auf der Seite des Patriarchats der russisch-orthodoxen Kirche veröffentlicht worden, berichtete gestern die britische Zeitung The Indipendent. Die Meldung steht inzwischen auch in englishcer Sprache zur Verfügung und kann hier eingesehen werden. Am 10. Oktober hatte das Moskauer Stadtgericht in einem berufungsverfahren die beiden Bandmitglieder Marija Aljochina und Nadeschda Andrejewna Tolokonnikowa, die eine vierjährige Tochter hat, zu zwei Jahren Straflager verurteilt. Das dritte zuvor verurteilte Bandmitglied Jekaterina Samuzewitsch wurde freigesprochen.

Die drei Frauen waren im März 2012 inhaftiert worden, nachdem sie in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale ein Punk-Gebet abhielten, in der sie die „heilige Mutter Gottes" baten, sie von Wladimir Putin zu befreien. Die Inhaftierung wurde von Menschenrechtsorganisationen und –aktivisten sowie Künstlern und Politikern weltweit kritisiert und als weiterer Beleg der engen Verbindung der autoritären russischen Regierung unter Wladimir Putin mit der orthodoxen Kirche bewertet. Der russische Patriarch Kirill, der für seine frauenfeindlichen Positionen bekannt ist (u.a. die Feministinnen der ukrainischen Gruppe Femen veranstalten immer wieder Proteste, die sich gegen Kirill und dessen Politik richten), hatte Pussy Riot der Blasphemie beschuldigt und eine harte Strafe gefordert. Entsprechend wurden die Frauen wegen „Rowdytum" und „religiösem Hass" inhaftiert. Dass Papst Benedikt XVI. nun seine Solidarität mit der russisch-orthodoxen Kirche zum Ausdruck bringt, jedoch nicht mit den Frauen, die nach dem international als völlig überzogen bewerteten Urteil zwei Jahre die unmenschlichen Haftbedingungen des russischen Strafvollzugs am eigenen Leib erleben werden, weil sie von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht haben, zeigt die verheerende Dialektik der vatikanischen Moral.