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Zwischen Wunder und Wissenschaft

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Aus der ganzen Welt kamen die Besucher nach Turin. Mehr als zwei Millionen sollen es gewesen sein, die im Frühling letzten Jahres in die norditalienische Industriestadt strömten und auch schon mal drei Stunden Schlange standen, um ein paar Blicke auf das Turiner Grabtuch zu werfen.
Freitag, 17. Juni 2011
Turiner Grabtuch

Turiner Grabtuch Fotonegativ mit dem Gesicht | Wikimedia Commons

Auf dem als Turiner Grabtuch bekannte alte Leinen zeichnet sich die unscharfe Silhouette eines männlichen Körpers ab. Nicht irgendeines Körpers, sind manche überzeugt. Denn der Legende nach umhüllte es den Leichnam Jesu Christi und wird heute im Dom von Turin aufbewahrt. In Abständen von mehreren Jahren wird es öffentlich ausgestellt, so zuletzt im Frühling vergangenen Jahres.

Das echte Leichentuch Christi? Richtig ist, dass es schon bei seinem Auftauchen im Mittelalter Zweifel weckte und seither im Zentrum von frommer Religiosität und wissenschaftlicher Untersuchung, aber auch abenteuerliche Spekulationen steht. Die katholische Kirche hält sich da bedeckt. Offiziell betrachtet sie das Leinen  lediglich als „Ikone". Eine Ikone soll bei Gläubigen die Beziehung zu Gott stärken. Im Gegensatz zur Reliquie, die den Katholiken als authentisches Überbleibsel einer heiligen Person oder ihres Besitzes gilt.

Tatsächlich zeigen seriöse Untersuchungen mit überwältigender Klarheit, dass es sich beim Turiner Grabtuch um eine künstlerische Arbeit aus späterer Zeit handelt. Einer C14-Datierung zufolge stammt das Gewebe aus dem Mittelalter, es trägt Spuren von Farbstoffen, wie sie in dieser Zeit von Malern benutzt wurden. Dennoch will eine Forschergruppe die Echtheit des Tuches nachgewiesen haben. Hat sie aber nicht, sagt Amardeo Sarma, der sich seit Jahrzehnten mit dem Streit um das geheimnisvolle Leinen beschäftigt.

Da werden dubiose Pollenproben vom Tuch bemüht, bewährte Datierungsmethoden angezweifelt und wildeste Speklationen aufgestellt.

Am Mittwoch, den 22. Juni 2011, führt Amardeo Sarma ein in die hitzigen Diskussionen über das Turiner Grabtuch. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe Außer Sinnen, die der turmdersinne gemeinsam mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert hat.

Amardeo Sarma kennt sich übrigens bestens aus mit paranormalen Behauptungen. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), Mitinitiator und Vorsitzender der europäischen Skeptikerorganisation European Council of Skeptical Organisations (ECSO) und Fellow der US-amerikanischen Skeptiker-Dachvereinigung Committee for Skeptical Inquiry (CSI).

Alle wichtigen Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier. Sie können sich auch Online für die Veranstaltung (Kurs-Nr. 00877) anmelden.

Das komplette Programm der Reihe Außer Sinnen auf der Homepage vom turmdersinne.