Weiter so, wieder zurück oder wohin?

Die Papstrede im Bundestag im vergangenen Jahr fand mit freundlicher Unterstützung der FDP-Bundestagsfraktion statt. Nun will die Partei neu über ihr Verhältnis zur Kirche diskutieren.
Das Kirchenpapier der FDP Freie Kirche im Freien Staat von 1974 war das öffentlichkeitswirksamste Unternehmen einer politischen Partei in der Bundesrepublik, die im Grundgesetz angelegte Trennung von Staat und Kirche zu vollenden. Teile der „säkularen Szene“, zahlreiche Laizisten und die Humanistische Union stehen heute noch gänzlich oder teilweise auf diesen Positionen, wie eine Tagung der Humanistischen Akademie zeigte (diesseits.de berichtete).
Die FDP selbst, obwohl der Beschluss nie zurückgenommen wurde, scheint diesen Beschluss verdrängt zu haben. Belege dafür sind ihre Haltung im Berliner „Pro-Ethik“-Streit, wo sie geschichtsvergessen für „Pro Reli war, und ihr Parteitag 1994. Sie hat nun sogar eine ordentliche Gruppe von Kirchenleuten in der Partei gebildet, Laizisten noch nicht.
Als voriges Jahr eine historische Analyse dieses Papiers veröffentlicht wurde, publizierte humanismus aktuell eine entsprechende Buchbesprechung und bei der Humanistischen Akademie fand sich ein Kommentar: "Als die FDP ihre Programmaussagen noch aus liberalen Grundsätzen ableitete“, so beginnt die Rezension von Wolfgang Lüder, einem Zeitzeugen, zum Buch von Tabea Mariga Esch Freie Kirche im Freien Staat über das Kirchenpapier der FDP von 1974 und dessen kirchenpolitische Begleitgeschichte. Die Wahlniederlagen der FDP 2011 sind auch in diesen Kontext zu stellen.“ Das war deutlich.
Nun scheint sich etwas zu regen, denn auf so lange Dauer gilt die Ausrede nicht, dass historische gewachsene Strukturen, Verfassungsrecht, völkerrechtliche Verträge und politische Mehrheiten weitergehende Schritte nach 1974 verhindert hätten. Nun veranstaltet die „Friedrich-Naumann-Stiftung“, die ihren Namen dem großen Verfechter einer Trennung beim Zustandekommen der „Weimarer Reichsverfassung“ 1919 führt, in Potsdam und Berlin zwei Tagungen.
Die erste findet am Donnerstag, 14. Juni 2012 in der Karl-Marx-Str. 2, Truman-Haus, Kaminzimmer in 14482 Potsdam statt (Mehr hier).
Wie es in der Einladung der ersten Tagung heißt, „steht dieses Modell vor neuen Herausforderungen. Kann und soll der Islam und andere Religionsgemeinschaften in dieses Modell integriert werden und wie werden die Interessen der wachsenden Zahl nicht kirchlich gebundener Bürger berücksichtigt. Dies führt zu der Kernfrage, ob das bestehende Modell auf andere Gruppen ausgedehnt werden soll, oder es doch auf eine stärkere Trennung hinausläuft. Das laizistische Modell Frankreichs gilt als Musterbeispiel für die Trennung von Staat und Religion. Ist es aber möglich und wünschenswert dieses Modell auf Deutschland zu übertragen?“
Eine zweite Tagung wird am 21. September 2012 stattfinden zum Thema „Freie Kirche im Freien Staat. Der Liberalismus und die Konfessionsfrage“. Das Programm wird demnächst veröffentlicht.






