Direkt zum Inhalt

Staatsakte: Weltanschauliche Neutralität fehlt

DruckversionEinem Freund senden
Dienstag, 28. Februar 2012
Tagung: Nachdenken über feierliche Staatsakte

Jahrestagung der Humanistischen Akademie: Nachdenken über feierliche Staatsakte

Die demographischen Realitäten (35 Prozent aller Deutschen sind konfessionsfrei) spielen bei der Gestaltung von Staatszeremonien eine untergeordnete Rolle. Die verfassungsgemäße weltanschauliche Neutralität des Staates fehlt bei den Staatsakten. Dies ist die Quintessenz der Jahrestagung der Humanistischen Akademie, die im November 2011 in Berlin stattfand. Bislang gibt es weder weltanschaulich neutrale Staatsakte noch humanistisch geprägte. Vielmehr werden Staatsakte christlich-religiös aufgeladen, entweder durch die Anwesenheit der Vertreter der Religionen oder durch die Verlagerung der Veranstaltung in eine Kirche. Der Philosoph Dr. Dr. Joachim Kahl forderte bei Katastrophen und Schicksalsschlägen ökumenische Trauerfeiern statt ökumenischer Gottesdienste, weil sonst nicht die Bekundung menschlicher Anteilnahme sondern die ungerechtfertigte Deutungshoheit der Kirchen über solche Ereignisse im Mittelpunkt einer solchen Feier stehe. Der Religionswissenschaftler Jörg Rüpke sagte, dass aufgrund des Fehlens einer gemeinschaftlichen Weltanschauung der Staat als Veranstalter solcher Ritualzeremonien ausscheide, weil die weltanschaulich-religiöse Pluralisierung der Gesellschaft die Rituale in der aktuellen Ausrichtung sinnlos gemacht habe.