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Presseschau: Skeptiker 3/2011

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Kann Wasser heilen? Können Funkwellen Erdbeben auslösen? Und kann man mit Schätze mit einem Pendel finden? Der Skeptiker klärt auf.
Samstag, 10. September 2011
Skeptiker 3-2011

Verschwörungstheorien sind immer en vogue. Zehn Jahre nach den Anschläge auf das World Trade Center in New York ohnehin. Die aktuelle Ausgabe des Skeptiker, die Zeitschrift der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP), wendet sich einer anderen Verschwörungstheorie zu. Nämlich der, wonach die Antennengitter des amerikanischen Funkwellenexperiments HAARP Erdbeben auslösen, etwa das schwere Beben 2010 in Haiti oder das Seebeben vor Japans Küste in diesem Jahr.

Die Amerikaner untersuchen mit dem ehemaligen Militärprojekt HAARP das Zusammenspiel von Sonnenwind, Erdmagnetfeld, Ionisation und elektromagnetischen Wellen. USA? Militäranlage? Die ideale Vorlage für Verschwörungstheoretiker. Die meisten Anhänger hat der Autor Nick Begich, der das erfolgreichste HAARP-Verschwörungsbuch Angels Don't Play This HAARP geschrieben hat. Seine Leser, dies ergab eine Befragung, sind vorwiegend gläubig und religiös. Diesem Aberglauben setzt der Physiker Dr. Holm Gero Hümmler in seinem lesenswerten Beitrag Wissenschaft und Wissen entgegen, zeigt, welche Leistungen und Möglichkeiten in HAARP und entlarvt so den Unsinn, der sich um die Anlage rankt. Dabei gelingt es ihm, die hochkomplexen physikalischen Prozesse und Verhältnisse in verständliche Bilder zu übertragen, so dass auch fachunkundige Leser am Ende um einiges klüger sind.

Das Titelthema ist einem Trend gewidmet – den Wunderwässerchen. Ob kristallisiert, ionisiert, gefiltert oder anders „angereichert" – das Geschäft mit den Eso-Wässern brummt. Wesentlichen Anteil daran haben unzählige Erfahrungsberichte, die statt wissenschaftlich überprüfbaren Auskünften subjektive Wundererlebnisse enthalten. Insbesondere Großstädter fallen auf diesen Humbug herein, der sie dazu verleitet, Rosenquarz und andere Steinchen in ihre Wasserkrüge zu legen – immer in der Hoffnung, damit zur ganzheitlichen Gesundheit beizutragen. Dr. Helge Bergmann, Wasserchemiker und Autor des Buches Wasser, das Wunderelement? Wissenschaft oder Hokuspokus räumt auf mit den Mythen und Märchen, die sich um das Wunderelement Wasser ranken. Hat Wasser tatsächlich ein Gedächtnis? Kann es rechts- oder linksdrehend sein? Warum schmeckt Leitungswasser aus einem Krug mit einem Bergkristall besser als Wasser aus einem Krug ohne Beigabe? Wer wissen will, was dran ist an den heilenden Möglichkeiten des Wassers, muss die aktuelle Ausgabe des Skeptiker lesen.

Die GWUP-Zeitschrift berichtet auch über die quasi-religiösen Rituale der Globuli-Einnahme und wie diese die Arzneimittelrichtlinie beeinflusst hat, blickt zurück auf die GWUP-Konferenz, die im Juni in Wien stattgefunden hat sowie auf ihren sommerlichen Test von Personen mit vermeintlich paranormalen Fähigkeiten, den die Gesellschaft Ende Juli durchgeführt hat. Kann man eine tote Grille mit einer Wünschelrute finden? Oder einen Goldbarren mit dem Pendel? Das würde die Wissenschaft auf den Kopf stellen. Ob es gelungen ist, kann man in einem Vorab-Video des Bayrischen Fernsehens sehen. Des Weiteren berichten Claudia Muth und Inge Hüsgen von der Veranstaltungsreihe Außer Sinnen, mit der der turmdersinne Klassiker der Parawissenschaften in diesem Frühjahr und Sommer auf den Prüfstand stellte.

Außerdem: Spukt es im Hotel Waldlust? Sind Power-Balance-Armbänder besser als Placebos? Was hat es mit dem Leichen-Öl der Heiligen Walburga auf sich? Die Medizinprofessoren Dietrich Bock und Manfred Anlauf erklären im Interview, warum wieder mehr Wissenschaft in die Medizin gehört. Dies u.v.m. in der sehr empfehlenswerten Ausgabe des Skeptiker.