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Presseschau: Skeptiker 2/2011

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Erzeugt eine Sonnenfinsternis Erdbeben? Wie abergläubisch sind Wiens Abiturienten? Gibt es magnetische Körper? Diesen und mehr Fragen geht die Zeitschrift für wissenschaftliches und kritisches Denken "Skeptiker" in der aktuellen Ausgabe nach.
Mittwoch, 15. Juni 2011
Skeptiker 2-2011

Die aktuelle Ausgabe von Skeptiker - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken befasst sich in ihrem Aufmacher mit der Frage, ob eine Sonnenfinsternis tatsächlich Erdbeben erzeugt. Statistiken könnten zu einer solchen Vermutung verleiten. Doch wie der Physiker Herbert Weidner zeigt, ist das alles Quatsch. Weder kann die „bemerkenswerte astronomische Konstellation" bei einer Sonnenfinsternis den Erdkern erschüttern, noch ein zusätzlich auftretender Neumond Erdbeben provozieren. Statistiken, die dies nahelegen, seien nicht falsch, aber sie sind konkret so gestaltet, dass sie diese Vermutung provozieren. Auswahleffekt nennen das die Statistiker. Oder einfacher gesagt: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Diese Weisheit lernt jeder Soziologiestudent schon im Grundstudium. Der Skeptiker erinnert daran.

Ob man der Statistik des Fachjournals Science & Education (Online-Ausgabe) glauben kann, die nach einer Fragebogenstudie nahelegt, dass Aberglaube als „das vorschnelle Abnehmen kausaler Zusammenhänge" (so die Definition im Skeptiker) unter Wiener Jugendlichen weit verbreitet ist? Wenn ja, heißt dass, das der Aberglaube ein seltsames Revival erlebt, aller Aufklärung zum Trotz. Aus den Studienergebnissen, die Dr. Erich Eder, Gründer der den Skeptiker herausgebenden Gesellschaft für Kritisches Denken (GWUP Wien) vorstellt, geht u.a. hervor, dass mehr als jeder dritte Wiener Gymnasiast an den Teufel glaubt, mehr als jeder vierte an Hellseherei, Hexerei und Kontakte zu nicht-irdischen Medien und immer noch jeder fünfte Abiturient Seelenwanderund oder Wiedergeburt für möglich hält. Die Studie liefert auch den Beweis, dass der Grad der Religiosität bei Jugendlichen mit der Ablehnung der Evolution korreliert. 51 % der befragten 2.000 Schüler stimmten der Evolutionstheorie zu, 28 % dem Kreationismus und 34 % der neukreationistischen Theorie des Intelligent Design. Die Studie räumt ferner mit dem Vorurteil auf, dass esoterische Angebote als abergläubische Ersatzveranstaltungen insbesondere Säkulare anziehen würde. Die Autoren der Studie kommen zu einem ganz anderen Ergebnis:

Der Unterschied zwischen den etablierten Konfessionen und anderen Formen des Glaubens an das Übernatürlich ist offensichtlich geringer als allgemein angenommen, ihre jeweilige gesellschaftliche Akzeptanz wohl nur eine Frage des historischen und politischen Einflusses.

Zum Schmunzeln ist die Reportage Deutschland sucht den Super-Hellseher, zu dem eine Fernsehproduktionsfirma im Auftrag von RTL geladen hatte. Keine Scharlatane, sondern „Überzeugungsseher" stellten sich der Jury, zu der Autor Klaus Schmeh gehörte. Skurril, abgedreht, mal zum Haare raufen und mal zum totlachen ist seine Reportage aus dem Jury-Stuhl, die mit dem Satz endet: Man muss Esoteriker nicht lächerlich machen. Das schaffen diese schon selber.

Außerdem erklärt in der aktuellen Ausgabe der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, warum das Phänomen der magnetischen Menschen eine Frage von Körperbau ist. Im Interview sind in der aktuellen Ausgabe darüber hinaus der Kognitionspsychologe Bruce M. Hood, der meint, dass selbst Evolutionsbiologe Richard Dawkins übernatürliche Überzeugungen hat und wissenrockt-Chefredakteur Arik Platzek, der erklärt, warum atheistische un dhumanistische Medien zu polemischen Positionierungen neigen. Darüber hinaus sind Interviews mit den Betreibern des skeptischen Podcasts Hoaxilla und dem Regisseur des Dokumentarfilms Die Mondverschwörung im Heft enthalten.

Alles in allem viel Gerede, über dessen Sinn sich aus säkularer Perspektive streiten lässt. Oder anders gefragt: Lohnt tatsächlich jede geistige Verwirrung der skeptischen Reflektion?