Direkt zum Inhalt

Missbrauch: Katholische Kirche besteht auf Verjährung

DruckversionEinem Freund senden
Freitag, 1. Juni 2012
Kampagne „Sprechen hilft

© Kampagne „Sprechen hilft"

Der Giordano Bruno Stiftung (gbs) liegt einer Mitteilung zufolge ein Brief der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vor, dem zu entnehmen ist, dass die Kirche künftig nicht darauf verzichten will, sich bei sexuellen Gewalttaten an Kindern und Jugendlichen durch Kirchenbedienstete auf die Verjährung zu berufen. Der Opferanwalt Christian Sailer hatte dies zuvor in einem offenen Brief gefordert, um die von kirchlicher Seite immer wieder versprochene „restlose Aufklärung und Entschädigung aller Missbrauchsfälle" zu ermöglichen. Das Schreiben des „Büros für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich" vom 15. März ist mit der Bemerkung „persönlich/vertraulich" versehen. Rechtsanwalt Sailer veröffentlichte es dennoch. Darin heißt es, dass der für Missbrauchsfälle zuständige Bischof von Trier, Stephan Ackermann, die Forderung nach einer Verlängerung der Verjährungsfrist für sexuellen Kindesmissbrauch zwar ausdrücklich unterstütze. Nach aktueller Rechtslage sei die freiwillige Entschädigung der Kirche aber „fairer und unbürokratischer" als der Gerichtsweg. Die Entschädigungszahlungen der Kirche werden von Opfern immer wieder als lächerlich kritisiert. gbs-Sprecher Michael Schmidt-Salomon bezeichnete das Schreiben als „Dokument der Scheinheiligkeit, das das fehlende Unrechtsbewusstsein der Verantwortlichen in aller Klarheit zum Vorschein bringt".