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Die Grünen und die Kirche - Eine Herzenssache

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Wer es noch nicht wusste, bekommt es jetzt grün auf gelb. Bündnis 90/Die Grünen spielen lieber mit den religiösen "Schmuddelkindern".
Mittwoch, 15. Juni 2011
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Die Parteimitglieder und Interessierten, die bisher noch hoffnungsvollen Zweifel hegten, bekamen nun via Newsletter eine bittere Gewissheit eingeschenkt. Büncnis 90/Die Grünen und die Kirchen - das ist eine Herzenssache. So ist nicht nur der zusammenfassende Beitrag zum Empfang der Bundestagsfraktion beim Kirchentag in Dresden übertitelt, sondern unter diesem Motto stand auch der Abend, zu dem die Fraktion zahlreiche Promis aus der religiösen Ecke bat.

Dazu gehörten u.a. Nikolaus Schneider (EKD-Ratsvorsitzender), Wolgang Huber (ehem. EKD-Ratsvorsitzender), Ellen Ueberschär (Generalsekretärin des Kirchentages) und Hans-Jochen Jaschke (Erzbistum Hamburg) kamen. Auch die CSU-Politiker Günther Beckstein und Alois Glück kamen in ihren klerikalen Funktionen als Vizepräses der EKD-Synode (Beckstein) bzw. Präsident des Zentralkomitees der Katholiken (Glück).  Auch Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden, und Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, kamen zu dem Empfang der Grünen.

Dass Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt in ihrem Grußwort stolz auf die besondere Situation eines Kirchentages im glaubensfernen Dresden (über 80 % der Bevölkerung sind konfessionsfrei) einging, wundert nicht, denn die Kirchennähe der grünen Spitzenpolitikerin ist offenkundig. Dass ihr daher der missionarische Charakter des Kirchentags gefiel, ist nur folgerichtig. Und auch das kirchliche Engagement einiger anderer Grünen ist kein Geheimnis. Als Nachfolgepartei des kirchennahen Bündnis 90 entspricht das einer Traditionslinie der Partei.

Dass sich allerdings auch die Fraktionsvorsitzende Renate Künast den Kirchen anbiederte, obwohl sie noch einen Monat zuvor die JugendFEIERn des Humanistischen Verbandes in Berlin eröffnete und im Herbst im Wettlauf um den Bürgermeistersessel im wenig religiösen Berlin reüssieren will, mag dann doch überraschen. Es gebe gemeinsame "Herzenssachen", etwa die Flüchtlingspolitik und der Atomausstieg, in denen sie sich mit den Kirchen einig wisse und sich über ihre Unterstützung freue.

Alles ist nur Tand, möchte man da im Sinne Shakespeares sagen, denn in diesen Feldern wären die Grünen auch bei den Säkularen in einem Boot. Und es kämen noch einige andere Bereiche hinzu, in denen die Kirche noch arge Mängel aufweisen, etwa bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau, der sexuellen Selbstbestimmung oder der Akzeptanz der staatlichen Strafjustiz. Doch die Grünen spielen nun wohl auch offiziell lieber mit den "Schmuddelkindern".