Direkt zum Inhalt

Dokumentation: "Freiburger Autonome agitieren gegen Papstbesuch"

DruckversionEinem Freund senden
Was genau steht in Baden-Württembergs Verfassungsschutzbericht zu den Anti-Papst-Protesten und dem Bündnis "Freiburg ohne Papst"? Die entsprechende Passage lesen Sie hier.
Samstag, 26. Mai 2012
Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg

Der Baden-Württembergische Verfassungsschützer sind der Ansicht, er müsste die Proteste gegen die sexual- und geschlechterfeindliche Politik des Papstes in Freiburg während des Papstbesuches in der Stadt in ihren Jahresbericht 2011 aufnehmen. Es sei "linksextremistisch beeinflusst", kann man dort lesen. Ob das aber tatsächlich so war oder was diese Aussage für die freiheitliche Grundordnung der Bundesrepublik bedeutet, bleibt offen, wie man dem entsprechenden Auszug entnehmen kann, der infolge dokumentiert wird.

Anlass zu Protesten und möglichen Störversuchen von Linksextremisten gab auch der Besuch Papst Benedikts XVI. am 24. und 25. September in Freiburg während seiner Deutschlandreise. Zuvor waren die autonomen Gruppierungen „Autonome Antifa Freiburg“, „Anarchistische Gruppe Freiburg“ und „Antifaschistische Linke Freiburg“ bereits seit längerer Zeit gegen die christlich-fundamentalistische „Piusbruderschaft“ in Freiburg vorgegangen. Die autonome Szene Freiburg warf dem Papst vor, mit dieser zu sympathisieren. Sie erklärte, den Papstbesuch nutzen zu wollen, um massiv gegen die „Piusbruderschaft“ und deren Verbindungen zum Papst vorzugehen.

Unter dem Motto „Antisemitismus – Patriarchat – Kapitalismus: WHAT THE FUCK?! Für die befreite Gesellschaft“ rief ein Bündnis autonomer und anarchistischer Gruppen zu einer sogenannten Vorabenddemo am 23. September 2011 in Freiburg auf. Sie erklärte, den Papstbesuch zum Anlass nehmen zu wollen, um „unsere grundsätzliche Kritik an Religion, Kirche und den gesellschaftlichen Verhältnissen zu äußern“. In einem Aufruf kritisierten sie „Antisemitismus, Patriarchat und Obrigkeitshörigkeit“ als nicht nur kirchliche Probleme, sondern als „Alltag auch im Kapitalismus“. Religion beinhalte für die Gläubigen „ein ‚himmlisches‘ Emanzipationsversprechen von diesem weltlichen Elend“. Gleichzeitig aber sei sie nichts anderes als „der Ausdruck eben jenes Elends und reproduziert – teilweise verschärft – Unmündigkeit und Unterdrückung im kapitalistischen Alltag“. Die Veranstaltung fand jedoch wenig Zulauf. Bereits im Vorfeld hatte sich das linksextremistisch beeinflusste Aktionsbündnis „Freiburg ohne Papst“ von der Demonstration dieses Spektrums distanziert. Insgesamt verlief der Besuch des Papstes in Freiburg störungsfrei.*

* Quelle: Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg 2011, S. 230 f.