Neue Verbandsspitze für Humanisten in Niedersachsen

Mitglieder des neuen Präsidiums: Lukas Gehrke, Guido Wiesner, Monika Saß-Dardat, Eckhard Kühl (v.l.)
Neuer Präsident im Landesverband der niedersächsischen Humanistinnen und Humanisten ist Guido Wiesner. Der 45-Jährige Bankkaufmann und Feiersprecher aus Seelze folgt damit auf Hero Janßen, Professor für Englische Sprachwissenschaft an der TU Braunschweig, der nach mehr als sieben Jahren Amtszeit nicht mehr zu Wahl angetreten war.
Wiesner, der bereits seit vielen Jahren für den Landesverband tätig ist, benannte vor der Wahl die Weiterentwicklung und den Ausbau des praktischen Humanismus im Flächenland als Hauptaufgabe für die kommenden Jahre. Damit soll an eine Entwicklung angeknüpft werden, in deren Rahmen unter anderem seit 2010 drei Kindertagesstätten in Hannover, Garbsen und Braunschweig eröffnet wurden. Der Verband entwickle sich so zu einem modernen Anbieter von sozialen und humanistischen Dienstleistungen, sagte Wiesner.
Ein Schwerpunkt der Arbeit solle auch auf dem Ausbau der Jugendarbeit über die Jugendfeier hinaus liegen. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen sei künftig ferner, „den Humanistischen Verband Niedersachsen insgesamt in der öffentlichen Wahrnehmung bekannter und somit sichtbarer zu machen“, so Wiesner weiter. Er äußerte auch die Hoffnung, mit der Arbeit das Interesse an einer Verbindung von Menschen aufgrund ihrer gemeinsamen Weltanschauung zu wecken. Deshalb halte er es auch für wichtig, „den Gemeinschaftsgedanken weiter zu stärken.“
Mit Guido Wiesner wurden am Sonntag auch die Lehrerin Monika Saß-Dardat (58) aus Lehrte sowie der Sozialpädagoge Eckhard Kühl (56) aus Emden in das Amt der Vizepräsidenten gewählt. Die Aufgabe des Schatzmeisters übernimmt künftig Lukas Gehrke. Der 24-jährige Wirtschaftsprüfungsassistent sei die ideale Wunschbesetzung, hieß es. Gehrke will sich neben seinem Amt auch für eine bessere Verbreitung humanistischer Ideen, vor allem in den neuen Medien und bei jungen Menschen engagieren. In den bestehenden Landesvorstand wurden Peter Blohm (69) aus Oldenburg und Karl Otto Eckartsberg (59) aus Garbsen neu hinzu gewählt.
Traditionsreich Die Geschichte des Humanistischen Verbandes Niedersachsen geht zurück bis auf die Gründung einer ersten freireligiösen Gemeinde in Hannover im Jahr 1847, aus der sich im ganzen norddeutschen Raum kleine Gruppen von „Dissidenten“ entwickelten. Die erste nachweisbare Jugendweihe in Hannover gab es 1886. Die Entwicklung freidenkerischer und freireligiöser Verbände wurde bis 1934 durch Massenaustritte aus den Kirchen und die Gründung zahlreicher weltlicher Schulen geprägt. Im November 1934 wurden „zur Abwehr staatsfeindlicher Umtriebe…und zum Schutz von Volk und Staat“ sämtliche Gemeinschaften durch einen Erlass aufgelöst und verboten. Nach 1946 erfolgten erste Neugründungen in Hannover, Northeim und Wolfsburg. Der erste World Humanist Congress der IHEU in Deutschland findet 1982 in Hannover statt. Umbenennung in „Freie Humanisten Niedersachsen“ im Jahr 1988, da der Begriff „freireligiös“ als überholt für die Vermittlung der eigenen Inhalte angesehen wird. Die Freien Humanisten werden 1992 Gründungsmitglied der Europäischen Humanistischen Föderation. Die Freien Humanisten Niedersachsen treten dem Humanistischen Verband Deutschlands im Jahr 2000 bei, 2007 erfolgt die Umbenennung in HVD Niedersachsen. 2009 wird die erste Kindertagesstätte in Hannover eröffnet.
Frieder Otto Wolf, Präsident des Bundesverbandes, äußerte seine Glückwünsche zur Wahl der neuen Leitungsebene in Niedersachsen. „Der scheidende Präsident Hero Janßen hat mit großem persönlichen Engagement begonnen, den Landesverband auf den Weg eines modernen praktischen Humanismus zu bringen“, sagte Wolf zum Wechsel an der Spitze. „Dafür verdient er von allen Seiten Dank.“ Zukünftig wird Hero Janßen weiterhin als Vizepräsident des Bundesverbandes aktiv sein.
Die Humanistinnen und Humanisten im Landesverband Niedersachsen verkörperten einen wichtigen Teil humanistischer Tradition in Deutschland, sagte Wolf weiter. So schaue er nun mit großem Optimismus auf die Bereitschaft des neuen Präsidiums, die Herausforderungen der kommenden Zeit „konstruktiv und integrativ“ anzugehen. „Auch die Tradition des niedersächsischen Gemeindehumanismus brauchen wir als organisierte praktische Humanisten in erneuerter Gestalt“, so Frieder Otto Wolf, „um in einem Flächenland den Aufgaben gerecht zu werden, die wir als Weltanschauungsgemeinschaft zu erfüllen haben.“








