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Sterbehilfe-Debatte: Hälfte der Deutschen zieht Suizidbegleitung dem Pflegeheim vor

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Jeder Zweite in Deutschland würde sich laut einer Umfrage im Auftrag der Deutschen Hospiz Stiftung eher kostenlos beim Suizid helfen lassen als zum Pflegefall zu werden.
Mittwoch, 23. Januar 2013

Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest vor kurzem herausgefunden hat, würde rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung eine Suizidbegleitung im Falle der eigenen Pflegebedürftigkeit in Anspruch nehmen.

Den Ergebnissen zufolge äußerten die weiblichen Befragten häufiger als Männer den Wunsch, im Falle der Pflegebedürftigkeit eine kostenlose Sterbebegleitung in Anspruch zu nehmen: 52 Prozent der befragten Frauen und 48 Prozent der Männer bejahten dieses Szenario.

Am größten war die Zustimmung zudem in der Altersgruppe der 40- bis 49-jährigen Befragten sowie unter den Anhängern von Bündnis 90/Die Grünen, wo 57 Prozent lieber eine Sterbebegleitung als das Pflegeheim wählen würden. Besonders groß war die Ablehnung einer Suizidbegleitung im Falle der Pflegebedürftigkeit unter Anhängern von CDU/CSU.

Fazit der Deutschen Hospiz Stiftung, in deren Auftrag die Umfrage im Dezember entstand: „Die Angst vor Pflegebedürftigkeit ist so groß, dass diese Menschen lieber tot als pflegebedürftig sein wollen.“ Bemerkenswert sei zudem die Differenz zwischen dem Umfrageergebnis und der Tatsache, dass nur rund 25 Prozent aller Suizide in Deutschland von Frauen begangen werden.

Bei der Frage nach einer Ursache wurde darauf verwiesen, „dass Frauen in Deutschland die Hauptlast der Pflege tragen: Zuerst pflegen sie die Eltern, dann den Partner. Angesichts dessen wachsen bei Frauen die Ängste vor der eigenen Pflegebedürftigkeit und dem Angewiesensein auf andere, fremde Personen. Pflegesituationen werden von diesen Frauen augenscheinlich als in einem so hohen Maße Autonomie begrenzend und belastend wahrgenommen, dass ein begleiteter Suizid vorgezogen wird.“

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Mit den Fragen des persönlichen Umgangs mit Krankheit und Sterben aus humanistischer Sicht, der nicht auf eine Suizidbegleitung begrenzt ist, beschäftigte sich zuletzt eingehender der 2011 im Alibri-Verlag erschienene Sammelband „Barmherzigkeit und Menschenwürdigkeit“.

Elf Autoren, darunter die Leiterin der Bundeszentralstelle Patientenverfügung Gita Neumann, der katholische Pfarrer und therapeutische Seelsorger in der Universitätsmedizin Mainz Erhard Weiher und Guido Klumpp, Jurist und Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen, informieren und diskutieren in ihren Beiträgen Fragen einer zeitgemäßen und humanistischen Begleitung von pflegebedürftigen und sterbenden Menschen und stellen Lösungsansätze vor: Nichtreligiöse Spiritualität, Bedürfnisse geistiger Orientierung und Rituale am Sterbebett werden dabei angesprochen.