Bayerischer Feuerbach-Preis geht an Gründer der Giordano-Bruno-Stiftung
Nur wenige Tage vor seinem 78. Geburtstag kann Herbert Steffen, Gründer und erster Vorsitzender des Vorstandes der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), sich über eine außergewöhnliche Aufmerksamkeit freuen.
Am Freitagabend wurde er im Zeughaus Augsburg mit dem Ludwig-Feuerbach-Preis geehrt. Die Laudatio zu der heute Abend stattfindenden Preisverleihung wird Gerhard Czermak, Beiratsmitglied der Stiftung und Experte für Religionsverfassungsrecht, halten.
Der nach dem bekannten bayerischen Philosophen und Religionskritiker des 19. Jahrhunderts benannte Preis wurde bislang viermal vergeben, darunter an den Philosophen Norbert Hoerster (2008), den im Januar 2011 verstorbenen Psychologen Franz Buggle (2004) sowie an den Schriftsteller und Kirchenkritiker Karlheinz Deschner (2001).
Steffen habe es geschafft, „eine Vielzahl von sehr individuellen und kreativen Köpfen in seiner Stiftung zu vereinen und damit den säkularen Humanisten eine Stimme in der Öffentlichkeit zu geben“, hieß es zur Begründung für die Auszeichnung, die der Bund für Geistesfreiheit vergibt.
Ursprünglich war der gbs-Gründer ein engagiertes Mitglied des Diözesanrates im katholischen Hunsrück. Dann nahm er vor rund drei Jahrzehnten von der früheren Gemeinde Abschied, nach dem ihm Karlheinz Deschners Bücher und auch die Intransparenz der kircheninternen Finanzwirtschaft dazu gebracht hatten, sich kritischer mit seiner Kirche und dem eigenen Glauben zu beschäftigen.
Seitdem hatte sich Steffen in vielfältiger Weise als Mäzen auf dem Gebiet der Kirchen- und Religionskritik engagiert. Unter anderem unterstützte er Karlheinz Deschner bei der Fertigstellung des wohl bekanntesten Werkes des Schriftstellers, der zehnbändigen „Kriminalgeschichte des Christentums“, dessen letzter Band im kommenden Jahr erscheinen wird.
Ein wohl besonderes Wegzeichen setzte er jedoch mit der Gründung seiner als „Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung“ genannten Stiftung, der der Name des im Jahr 1600 in Rom als Ketzer verbrannten Priesters und Philosophen Giordano Bruno gegeben wurde.
Vor allem dem in ihrem Auftrag tätigen Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon gelang es seit 2004 immer wieder, sich in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Kontroversen zu stellen und in der Öffentlichkeit auch auf Anliegen und Standpunkte von nichtreligiösen Menschen in Deutschland aufmerksam zu machen.
Die Stiftung zog dabei durch das Vorgehen ihrer Vertreter und Angehörigen nicht nur wiederholt scharfe Kritik und Verunglimpfungen seitens einflussreicher Gläubiger auf sich, sondern blieb auch innerhalb der säkularen Bewegung nicht unumstritten.
Steffen ist es jedoch bis heute gelungen, einer – laut dem Befund des von der gbs im Jahr 2007 ausgezeichneten britischen Evolutionsbiologen und Chefatheisten Richard Dawkins – kaum zu ordnenden Bewegung einige wichtige Impulse zu verleihen und sie als besonnener Moderator und mit leidenschaftlichem Einsatz zu unterstützen.
Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands und Vorsitzender des Koordinierungsrates säkularer Organisationen, sagte am Freitagnachmittag in Berlin zur Ehrung:
„Die Verleihung des Ludwig-Feuerbach-Preises an Herbert Steffen begrüße ich als eine hoch verdiente Ehre, die ein beispielhaftes Engagement eines bemerkenswerten und stets praktisch tätigen Humanisten würdigt.“
Persönlich habe Wolf zwar nicht zu jeder Zeit alle Inhalte befürworten können, die im Namen der Stiftung und ihres Leitbildes vertreten wurden.
„Das kann aus meiner Sicht jedoch nicht die Anerkennung des persönlichen Einsatzes schmälern, der mit dieser Ehrung verbunden ist und für den der neue Träger des Ludwig-Feuerbach-Preises größten Respekt verdient.“







