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Streit über ärztliche Suizidhilfe

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Am 12. und 13. Oktober 2012 lädt die Humanistische Akademie Berlin zu einer sehr aktuellen spannenden Debatte ein. Das Thema lautet: „Ärztlich begleiteter Suizid – Fragen ethischer und gesellschaftlicher Verantwortung“. Zeitgleich erscheint ein Band aus der Reihe der Humanistischen Akademie, der für Aufsehen sorgen wird. Die Leiterin der Bundeszentralstelle Patientenverfügung Gita Neumann lässt darin u.a. diejenigen zu Wort kommen, die sich hilfesuchend an sie wenden.
Samstag, 22. September 2012
Gita Neumann: Suizidhilfe als Herausforderung

Am 12. und 13. Oktober 2012 lädt die Humanistische Akademie Berlin zu einer Konferenz zum Thema Ärztlich begleiteter Suizid – Fragen ethischer und gesellschaftlicher Verantwortung ein. Neben Dr. Johann Spittler (SterbeHilfe Deutschland e.V.) wird Dr. Meinolfus W. M. Strätling die Position für den ärztlich assistierten Suizid vertreten. Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Martina Wenker, die freundlicherweise zusagte, wird wahrscheinlich gegenteiliger Auffassung sein. Sie hatte die Bundesregierung aufgefordert, das geplante Gesetz gegen kommerzielle Sterbehilfe zu verschärfen. Sie wünsche sich, wie sie der Neuen Presse in Hannover mitteilte, dass jede Form der organisierten Sterbehilfe verboten werde. Wenker bekräftigt damit die Position der Bundesärztekammer, die jeglicher Suizidhilfe den Kampf angesagt hat. Denn auch die „Vermittlung" von Suizidhilfegesuchen in die Schweiz soll durch die Verschärfung zukünftig eindeutig unter Strafe gestellt werden.

Die BÄK befindet sich damit im Einvernehmen mit weiteren einflussreichen Kräften in Deutschland, mit den beiden christlichen Kirchen, wie deren gerichtete Stellungnahme an das Bundesjustizministerium belegen, den Hospiz- und Palliativorganisationen und entsprechenden Stiftungen sowie im Großen und Ganzen der Politik – von einzelnen liberalen oder linken Positionen abgesehen. Dem steht, wie Untersuchungen zeigen, der Mehrheitswille der Bevölkerung gegenüber (diesseits berichtete).

Die nicht hoch genug zu würdigenden Leistungen der spezialisierten Palliativ- und Hospizversorgung werden oft überschätzt und auch instrumentalisiert. Ihre Vertreter erklärten es zu ihrem Hauptziel, selbst bei schwerstem Leiden einer Suizidhilfe entschieden entgegenzutreten – obwohl diese rechtlich zulässig wäre. Kann ein solcher angeblich unüberwindbarer Gegensatz moralisch begründet werden?

Dr. Meinolfus W. M. Strätling vom Universitätsklinikum Lübeck, seit einigen Jahren als Arzt im englischen Cardiff tätig, wird diesen Fragen aus medizinrechtlicher und medizinethischer Sicht nachgehen. Aufgrund internationaler Studien und eigener Analysen klärt er über den „Mythos Palliativmedizin" auf. Diese vermag – ebenso wenig wie stationäre Hospize – keineswegs für alle Patienten und alle Situationen am Lebensende Hilfen anzubieten. Nüchterne Realität sind demgegenüber ihre derzeitigen Grenzen für Nicht-Krebspatienten, Pflegeheimbewohner, chronisch mehrfach Erkrankte – und eben auch für Suizidwillige. Dabei wäre es wünschenswert, wenn die Palliativmedizin sich in Zukunft auch für diese Patienten öffnen würde.

Gita Neumann erklärt auf der Konferenz die Praxis des HVD in der Suizidprävention und Suizidhilfe als Nicht-Gegensätze. Ein Podium am Ende der Tagung wird vom WELT-Redakteur Dr. Matthias Kamann geleitet, der auch inhaltlich in die Abschlussdebatte einführt.

Mit großer Wahrscheinlichkeit erscheint wenige Tage vor der Konferenz Band 5 der Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Berlin: Suizidhilfe als Herausforderung. Arztethos und Strafbarkeitsmythos. Der Sammelband enthält ärztliche, ethische und psychologische Positionen aus Sicht der Praxis sowie persönliche Aussagen Betroffener zum umstrittenen Thema der Suizidhilfe verbunden mit juristischen Klarstellungen und humanistischen Lösungsansätzen (hier direkt bestellen).

Einen Tag vor der Konferenz, am 11. Oktober 2012, findet um 19.30 Uhr in der Berliner URANIA in Kooperation mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg eine öffentliche Veranstaltung statt „Palliativmedizin und Suizidhilfe – kein Gegensatz!" Referent ist Meinolfus W. M. Strätling. Mehr zur Veranstaltung hier.