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Humanismus – Laizismus – Geschichtskultur

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Im Alibri-Verlag ist vor kurzem der sechste Band der Humanistischen Akademie Berlin erschienen. Der neue Band geht der Frage nach, in welchem Verhältnis Laizismus und Humanismus zueinander stehen und welche Rolle hier kulturelle Wurzeln und Kulturtraditionen des deutschen Humanismus spielen.
Freitag, 15. Februar 2013
Cover

Die Beiträge der elf Autorinnen und Autoren bewegen sich im Spannungsfeld von politischem Laizismus, öffentlichen Ritualen und positiver wie negativer Gleichbehandlung von Humanismus und Religionen in Deutschland. Sie fragen nach den Dimensionen bewusster Erinnerung angesichts tradierter Kultur- und Rechtsverhältnisse in Staat und Gesellschaft, bei weiterer Zunahme der Zahl konfessionsfreier Menschen.

Die Beziehung von Humanismus und Laizismus könnte man dabei auch in eine Beziehung zweier Laizismen übersetzen, denn eine Trennung von Staat und Kirche streben sowohl Humanisten als auch Laizisten an. Den Unterschied macht das Ausmaß dieser Trennung. Einem Laizismus auf der Basis der negativen Gleichbehandlung, also der strikten Trennung von Staat und Kirche bei gleichzeitiger Einstellung sämtlicher Staatsleistungen für Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften steht ein Laizismus im Sinne einer positiven Gleichbehandlung gegenüber, der die Staat-Kirche-Trennung bei gleichzeitiger Ablösung der historischen Staatsleistungen anstrebt. Einer grundsätzlichen gleichberechtigten Finanzierung und Privilegierung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften durch den Staat steht dieser positive Laizismus aber offen gegenüber.

Der Band vertieft somit die Frage, ob es klug ist, auf einen grundsätzlichen Systemwandel und damit auf die negative Gleichbehandlung zu setzen, oder klüger, am bestehenden System teilzuhaben, um es dann sukzessive zu reformieren? Abschließend wird sie nicht geklärt. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Förderung der islamischen Gemeinschaften sowie der Einrichtung islamischer Lehrstühle an deutschen Universitäten spricht allerdings einiges dafür, dass das Verfolgen der Trennung von Staat und Kirche im Zuge der positiven Gleichbehandlung zukunftsträchtiger erscheint.

Mit Beiträgen von Thomas Hummitzsch, Horst Groschopp, Thomas Heinrichs, Dieter Deiseroth, Ingrid Matthäus-Maier, Jürgen Hartmann, Jörg Rüpke, Insa Eschebach, Joachim Kahl, Horst Junginger, Heinz-Bernhard Wohlfarth.

Horst Groschopp (Hrsg.): Humanismus – Laizismus – Geschichtskultur, Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Berlin, Bd. 6, Alibri Verlag 2013, 225 Seiten, 18 Euro