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Leipziger Buchmesse 2013

David Wagner Preisträger
David Wagner, Helmut Böttiger und Eva Hesse sind die diesjährigen Gewinner der Preise der Leipziger Buchmesse. Jurypräsident Hubert Winkler ging vor der Preisvergabe auf die Debatte über die Auswahl ein, die seit der Bekanntgabe der Nominierungen geführt wurde.
Messehallen Leipzig
Der Bücherfrühling ist mit der Leipziger Buchmesse eröffnet. Nicht nur, weil am ersten Messetag die nominal besten Bücher in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung gekürt werden, sondern auch, weil die Debatte über die pünktlich zur Messe erscheinenden Bücher aus den Frühjahrsprogrammen endlich startet. Wir verfolgen die Geschehnisse in Leipzig für sie auf einer Sonderseite.
Birk Meinhardt: Brüder und Schwestern
Birk Meinhardt erzählt in seinem monumentalen Roman „Brüder und Schwestern“ vom Leben der „Arbeiterklasse“ in der DDR und vom Auf- und Abladen der Schuld in einer Kompromissgesellschaft, in der das größte Vergehen darin bestand, den Drang nach Freiheit zu verspüren.
Anna Weidenholzer: Der Winter tut den Fischen gut
Die Wiener Schriftstellerin Anna Weidenholzer lässt in ihrem poetischen Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ ein Leben rückwärts laufen und entblößt dabei das entwürdigende System der modernen Arbeitswelt. Das Online-Voting zum Messepreis hat die Wiener Autorin mit ihrem Debütroman schon gewonnen.
Ralph Dohrmann: Kronhardt
Auf über 900 Seiten mal eben die gesamte bundesrepublikanische Geschichte abhandeln, dazu noch die große Weltgeschichte und ein paar Ausflüge zurück ins Kaiserreich und zu den Nazis. Man kann nicht behaupten, dass es Ralph Dohrmann mit seinem ersten Roman "Kronhardt" klein angehen lassen hat. Das Ergebnis ist allerdings nur in Teilen gelungen.
Lisa Kränzler: Nachhinein
Im vergangenen Jahr gewann Lisa Kränzler überraschend den 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Mit ihrem Auszug „Willste abhauen“ aus ihrem vor wenigen Wochen erschienenen Roman über zwei ungleiche Mädchen überzeugte sie die Jury. Nun könnte sie mit „Nachhinein“ einen weiteren Preis gewinnen.
David Wagner: Leben
Essayistisch reflektiert David Wagner sein „Leben“ mit einer seine Leber zerstörenden Autoimmunerkrankung und die Auseinandersetzung mit der lebensrettenden Organtransplantation und schwankt dabei zwischen Genialität und Langeweile.
Götz Aly: Die Belasteten
200.000 Menschen wurden im Zuge der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktionen zwischen 1939 und 1945 ermordet. Götz Aly hat die Geschichte dieser Massenmorde untersucht und mit seiner Studie „Die Belasteten“ den Opfern den Gedenkstein gesetzt, der ihnen bis heute verweigert wird.
Wolfgang Streck: Gekaufte Zeit
Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung Wolfgang Streeck beschreibt in seiner Frankfurter Adorno-Vorlesung die Ursprünge der gegenwärtigen Krisen, die er als Resultat der langen neoliberalen Transformation des Nachkriegskapitalismus beschreibt. Allerdings fehlt ihm die Phantasie für zukunftsfähige Lösungsansätze.
Kurt Bayertz: Der aufrechte Gang
Gehen wir aufrecht, weil wir Menschen sind oder sind wir Menschen, weil wir aufrecht gehen? Der Philosoph Kurt Bayertz präsentiert den aufrechten Gang als philosophischen Topos, das die Reflektion über den Menschen und seine Position in der Welt von der Antike bis in die Neuzeit prägt.
Hans Belting
Der Kunsthistoriker Hans Belting legt mit seiner Geschichte des Gesichts „Faces“ eine beeindruckende Studie über die soziale und kulturelle Praxis der facialen Reproduktion und Maskerade vor, in der er einen Bogen von den antiken Masken bis hin zum digitalen Abbild schlägt.
Böttiger_Gruppe 47
Helmut Böttigers „Geschichte der Gruppe 47“ liefert eine profunde Analyse der zunehmenden Verzahnung von Literatur und Medienbetrieb und belegen den immensen Einfluss der Autorengruppe auf die deutsche Nachkriegsliteratur.
Michail Bulgakow: Meister und Margarita
Alexander Nitzberg ist es zu verdanken, dass mit "Meister und Margarita" Michail Bulgakows wichtigster Roman, der zugleich ein Meisterwerk der russischen Avantgarde ist, wiederentdeckt werden kann. Der Roman ist ein Jahrhundertwerk und steht nicht nur aufgrund des faustischen Stoffes mit Goethes "Faust" und Thomas Manns "Doktor Faustus" in einer Reihe.
Michael Schischkin: Briefsteller
Der russische Schriftsteller Michael Schischkin ist einer der größten Stars der zeitgenössischen russischen Literaturszene. Er hat für seine international gefeierten Romane als einziger Autor die drei wichtigsten russischen Literaturpreise erhalten. Für seinen aktuellen Roman eines Briefwechsels zweier jung Verliebter hat er den Literaturpreis „Das große Buch" bereits zum zweiten Mal verliehen bekommen.
Ezra Pound: Die Cantos
Eva Hesse hat sich über ein halbes Jahrhundert mit Ezra Pound und seinem Werk auseinandergesetzt und legt nun erstmals eine deutsche Gesamtausgabe seiner „Cantos“ vor, die der schwingenden Musikalität der Poundschen Verse gerecht wird.
António Lobo Antunes: Der Archipel der Schlaflosigkeit
Maralde Meyer-Minnemann ist zum dritten Mal mit der Übersetzung eines Romans des portugiesischen Schriftstellers António Lobo Antunes für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse nominiert. „Der Archipel der Schlaflosigkeit“ ist einmal mehr ein erdrückendes Porträt der faschistischen Diktaturen Südeuropas.
Claudia Ott: 101 Nacht
Claudia Ott legt mit „101 Nacht“ die Vorgänger-Scheherazaden der berühmtesten Märchen des Orients vor, die die arabische Hochkultur im Südeuropa des Mittelalters bezeugen, sondern es auch ermöglichen, den fließenden Übergangen der Scheherazaden zu den großen europäischen Erzählungen nachzuspüren.