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Die spinnen, die Konfessionsfreien

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Warum Humanisten über ein Bekenntnis diskutieren
Montag, 7. Februar 2011

Ein Gespenst geht um im Humanistischen Verband - das Gespenst vom Bekenntnis. Kaum ist das Wort ausgesprochen, läuten die Alarmglocken. Die lateinische Sprachwurzel Confessio wird bei dem Wort umgehend ins Bewusstsein gerufen, dem Religiösen scheint sogleich Tor und Tür geöffnet. Nichts desto trotz ist vor dem Hintergrund zahlreicher laizistischer Bestrebungen eine Debatte im HVD entstanden, wie er es mit (s)einem Bekenntnis hält. Entwickelt sich der Verband zu einer Kirche, während mit dem Koordinationsrat der säkularen Organisationen (KORSO), der Giordano-Bruno-Stiftung (GBS) und dem Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) die säkularen Lobbyorganisationen immer lauter die ersatzlose Abschaffung von Staatsleistungen an Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften fordern?

Kaum jemals zuvor sind die Differenzen in der säkularen Szene deutlicher zutage getreten, als aktuell. Der Konflikt ist um die Frage der Staat-Kirche-Trennung und dabei insbesondere um die Zukunft der finanziellen Leistungen des Staates an Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften entbrannt. Während sich die säkulare Szene über die Abschaffung der sog. historischen Entschädigungen des Staates an die Kirchen weitgehend einig ist, besteht Uneinigkeit bei der Frage, wie grundsätzlich mit der Förderung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften durch den Staat umzugehen ist.

Die Konfliktlinie verläuft zwischen den als Weltanschauungsgemeinschaften oder Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannten, meist humanistischen Organisationen und den Interessenvereinen der Atheisten und Konfessionsfreien. Während die einen die grundsätzliche Gleichbehandlung mit den privilegierten Kirchen unter Beibehaltung des bestehenden Staat-Kirche-Verhältnisses erreichen wollen, fordern die anderen die Streichung jeglicher Unterstützung. In der Hoffnung, ihren gesellschaftlich relevanten Handlungsrahmen gegenüber den konfessionellen Anbietern zu halten oder auszubauen, verfechten der Humanistische Verband und verschiedene Freireligiöse Gemeinden den Gleichbehandlungsansatz. GBS, IBKA und andere freidenkerische Organisationen lehnen diesen mit der Begründung ab, dass sich gesellschaftliche Konzepte, die auf Zustimmung stoßen, auch ohne Staatsgeld durchsetzen und damit selbst finanzieren würden.

Dass unter diesen Voraussetzungen der KORSO überhaupt noch existiert, ist verwunderlich. Langfristig stellt sich die Frage, ob es dem Koordinierungsrat als handelnder Akteur gelingt, diese auseinanderklaffenden Grundsatzpositionen der unter seinem Dach versammelten Organisationen auszugleichen.

Vor diesem Hintergrund findet im Humanistischen Verband aktuell die Kontroverse um die Frage nach dem Bekenntnis statt. Würde der Verband einen Bekenntnischarakter für sich reklamieren, intensivierte dies zweifelsohne den skizzierten Interessenskonflikt im säkularen Spektrum. Denn damit beanspruchte der Verband nach außen hin nicht nur eine Gleichbehandlung mit den Religionsgemeinschaften, sondern gliche sich diesen auch in seiner Verfasstheit an. Dies beunruhigt auch zahlreiche Humanisten im Verband selbst, die befürchten, dass man als Bekenntnisverband unfreiwillig in die Nähe einer Glaubensgemeinschaft gerate. Zugleich gibt es Bekenntnis-Befürworter wie den ehemaligen Präsidenten des HVD Dr. Horst Groschopp, der im Humanismus durchaus als „Dritte Konfession" begriffen sehen möchte. [...]

→ Den kompletten Beitrag finden Sie in der Druckausgabe der diesseits Nr. 94/2011.