Direkt zum Inhalt

Im Schatten des Missbrauchs

DruckversionEinem Freund senden
2010 stand unter dem Eindruck zahlreicher Missbrauchsskandale, u.a. in verschiedenen katholischen Einrichtungen und der reformpädagogischen Odenwaldschule. Ein ehemaliger Schüler des Canisius-Kollegs blickt zurück auf ein Jahr der Erschütterungen.
Dienstag, 8. Februar 2011
Canisius-Kolleg

Canisius-Kolleg

Vor einem Jahr drehten sich bei mir im Kopf die Zeiger der Uhr um Jahre zurück. Als Hauptmeldung berichtete die Tagesschau über Fälle sexuellen Missbrauchs von der Schule, die ich ab 1963 besucht und an der ich 1972 mein Abitur gemacht hatte. Die Demütigungen der Pater standen wieder vor meinen Augen: „Sag deinen Freunden vom SDS, du wirst an dieser Schule kein Abitur machen”. Ebenso unsere nächtliche Malaktion an der Schulhauswand: „Zwingt Prügelpater raus – Demokratie rein!”. Ich erinnerte mich der heftigen Auseinandersetzungen über die Enzyklika humanae vitae, die von einem Papst verfasst worden war, den wir in unserer Untergrundzeitung „roter Arthur” nur als Pillen-Paule titulierten (A.d.R.: Die Rede ist von der sog. Pillenenzyklika von Papst Paul VI., in der die direkte Empfängnisverhütung verboten wird). Zwei Mitschüler wurden von der Schule verwiesen, weil sie demonstrativ vor einem Jugendclub „Antibabypillen” verteilt hatten.

Erst einige Wochen nach dem Tagesschaubericht erfuhr ich, dass wir über die Sexualfeindlichkeit der Kirche ausgerechnet mit unserem Religionslehrer gestritten hatten, einem jener Pater, die nun als Täter und Verbrecher überführt worden waren. In den Zeiten der 68er und des „roten Arthur” waren wir persönlich nicht von den sexuellen Übergriffen betroffen, standen wir doch für eine radikale Gegenöffentlichkeit. Dies wirkte offensichtlich als Schutz für uns. […]

→ Den kompletten Beitrag finden Sie in der Druckausgabe der diesseits Nr. 94/2011.