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Evelin Frerk, Fotografin und Initiatorin einer Online-Bildergalerie mit Gesichtern gegenwärtiger Humanisten, Atheisten und Agnostiker
Freitag, 1. Juni 2012
Evelin Frerk

Evelin Frerk. © Evelin Frerk

Seit April 2012 ist „Who-is-HU – Gesichter im gegenwärtigen Humanismus“ online. Was bietet die Seite und was wollen Sie damit erreichen?
Evelin Frerk: Ich möchte gern, dass man Humanisten, Atheisten und Agnostiker kennenlernt und nicht nur theoretisch von einer Masse weiß, die kein Gesicht hat und anonym bleibt. Ich möchte, dass Humanismus und Atheismus konkreter werden und dass Menschen, die zu diesem Kreis gehören, ein Gesicht bekommen.

Die Seite bietet ja nicht nur Gesichter. Alle Personen können „Wissenswertes“ in einem Kurztext berichten oder in „Epikurs Garten“ eine persönliche Meinung hinterlassen. Warum ist Ihnen diese Kommentierung wichtig?
Ein Gesicht allein ist zwar sehr schön, aber ist nicht ausreichend. Mit „Epikurs Garten“ haben wir eine Plattform geschaffen, in der jeder unzensiert zu Wort kommen kann. Hier sprechen nicht nur Funktionsträger der Organisationen, sondern hier kann jeder persönlich Stellung beziehen. Und viele Leute haben Lust, ihre Meinung zu sagen – und sie haben auch etwas zu sagen. Diese Aussagen will ich gern neben die Bilder stellen.

Wann haben Sie angefangen, an „Who-is-HU“ zu arbeiten?
Die Idee und auch die allerersten Bilder sind 2006 entstanden.

Haben Sie eine Idee, wie viele Fotografien Sie seither für „Who-is-HU“ gemacht haben?
Nein, gar nicht. Ich porträtiere ja auch ständig neue Menschen für die Galerie. Man könnte natürlich versuchen, hochzurechnen. Inzwischen nehmen fast 700 Personen an dem Projekt teil. Bei manchen habe ich aber 50 Bilder, bei anderen aber nur ein bis zwei Fotografien gemacht. Es kommt halt immer auf die Situation an. Im Durchschnitt komme ich vielleicht auf zwanzig bis dreißig Bilder pro Person.

Sind Sie auch einmal mit einer Anfrage gescheitert?
Freunde von mir hatte ich einmal vergeblich gefragt, ob sie nicht Teil meines Projektes werden wollten. Geschäftsleute, die Furcht hatten, dass ihr Unternehmen darunter leiden könnte, wenn sie sich so deutlich positionieren. Das sind keine Menschen aus den Verbänden oder Organisationen.

Das Bemerkenswerte an der Online-Bildergalerie ist die gesellschaftliche Breite der dort versammelten Menschen – von den Organisationsrepräsentanten über prominente Atheisten bis hin zu Privatpersonen findet man Menschen aus der ganzen Gesellschaft.
Ich finde es wichtig, zu zeigen, dass das Spektrum sich erweitert hat. Es ist nicht mehr notwendig, verbandsorganisiert zu sein. Die Organisationen haben ganz andere Aufgaben. Sie können die Humanisten zwar für sich gewinnen, aber an sich kann jeder Einzelne sagen, dass seine Weltanschauung humanistisch ist.

Gab es ein Shooting, das Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist?
Wenn ich jetzt die Teilnehmer in die Datenbank einpflege, erinnere ich mich an jedes einzelne Shooting. Dann denke ich auch an meine Ängste oder daran, dass es viele ja nicht gewohnt sind, fotografiert zu werden. Es hat viele sehr schöne Situationen gegeben. Da möchte ich keine missen.

Wenn man die Fotos anschaut, dann sieht man schnell, dass Sie nicht nur versuchen, die Menschen abzubilden, sondern sie wirklich zu porträtieren, das einzufangen, was sie als Person ausmacht. Erfordert das eine besondere Vorbereitung?
Eher nicht. Ich sage mal ganz frech, ich kann das. Das hört sich vielleicht arrogant an, aber ich arbeite ja nicht alleine. Mit demjenigen, der sich porträtieren lässt, entsteht immer eine kleine Beziehung. Und wenn das so ist, funktioniert das gut. Es gibt zwar auch Ausnahmen, aber das sind dann eben Ausnahmen.

Gibt es Fotografien, auf die Sie besonders stolz sind?
Ja, die gibt es. Ich bin sehr froh über ein Bild von Karlheinz Deschner, das ihn als schweigsamen und zurückhaltenden Menschen zeigt, der er in meinen Augen auch ist. Und dann gibt es Fotos, wo mir andere sagen, dass sie sich da richtig gut getroffen fühlen. Aber ich weiß auch, wen ich noch einmal fotografieren möchte, weil mir das Porträtieren da nicht ganz so gut gelungen ist.

Ist Ihnen bei mehr als zehntausend Porträtfotografien so etwas wie eine humanistische oder atheistische Mimik begegnet?
Ein ganz klares Nein. Porträts sind immer individuell. Da kommt es darauf an, wie meine Stimmung ist und die des zu Porträtierenden, auf die Situation als solche und viele Kleinigkeiten mehr. Und am Ende ist jedes Porträt einzigartig und besonders.

WHOISHU

Who-is-HU, die Bildergalerie für gegenwärtige Agnostiker, Atheisten und Humanisten finden Sie unter http://www.who-is-hu.de. Hier können Sie sich durch die Teilnehmer klicken, von A wie dem Beiratsmitglied der Giordano Bruno Stiftung Hamed Abdel-Samad bis Z für die Bürokauffrau Margot Zinnow. Und wenn Sie selbst Teil des Projektes werden wollen, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an info@who-is-hu.de.