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Sacha Hanig, Vorstandssprecher von GeFAHR e.V.
Mittwoch, 1. Juni 2011
Sache Hanig

Sache Hanig, © Evelin Frerk

Sie planen während des Evangelischen Kirchentages in Dresden eine Religionsfreie Zone. Mit „Und da wird Dein Hirn sein“ haben sie ein biblisch klingendes Motto gewählt. Warum?
Sacha Hanig: Das Motto ist in Anlehnung an das des Kirchentages entstanden. Der Kirchentag wirbt mit: „…und da wird auch dein Herz sein.“ Unser Motto ist eine deutliche Provokation, die ähnlich dem Slogan des Kirchentages leicht falsch verstanden werden kann. Auch wir „Gottlosen“ haben Herz und Christen Verstand.

Was ist das Ziel dieses areligiösen öffentlichen Raumes?
Zum einen planen wir die Veranstaltung als eine Art Insel für all jene, die ihre Themen (und vor allem ihre Weltanschauung) nicht auf dem Kirchentag vertreten sehen. Zum anderen haben uns einige zu kritisierende Aspekte zur Einrichtung einer Religionsfreien Zone veranlasst. Der öffentliche Raum in Dresden wird vom Kirchentag in weiten Teilen in Beschlag genommen. Kirchenbänke werden auf den Straßen stehen, Gottesdienste auf öffentlichen Plätzen abgehalten. Der Missionierungs- und Verkündungsauftrag ist klar erkennbar. Außerdem wird der Kirchentag mit 7,5 Millionen Euro von Stadt und Land gefördert. Dazu kommen 400.000 Euro vom Bund und für die Stadt nochmals eine erhebliche Summe für die Reinigung der Schulen, die als Quartiere dienen. In Zeiten, in denen Millionen gespart werden müssen, sind diese Summen nicht vertretbar.

Wie ist das Echo in der Dresdener Bevölkerung auf ihr Engagement?
Vor Ort an Infoständen und in Gesprächen haben wir großen Zuspruch. Viele Dresdner sind sehr froh darüber, dass es eine Alternative gibt. Vor allem eine Alternative, die den Christen nicht verbieten möchte sich zu treffen und zu feiern. Die meisten wollen nicht über etwas oder jemanden diskutieren, sondern mit den Menschen.

Wie groß ist die Gruppe ihrer Unterstützer vor Ort?
Unser Verein, die Gesellschaft zur Förderung von Aufklärung, Humanismus und RegligionsFREIheit (GeFAHR e.V.), ist noch recht jung. Wir sind im Zuge der Buskampagne 2009 entstanden. Der Zulauf wird vor allem durch die Organisation der Religionsfeien Zone, aber auch durch andere Aktivitäten, wie Vortragsreihen, Jugendweihe und Stammtischabende als Ideenschmieden, stetig größer.

Ein Schwerpunkt des Kirchentages ist die „Glaubenskommunikation in säkularer Umwelt“. Hat man von der Seite des Kirchentags mit Ihnen das Gespräch gesucht?
Selbstverständlich hat man nicht das Gespräch mit uns gesucht. Wie gesagt, beim Kirchentag spricht man lieber über die säkularen Humanisten anstatt mit ihnen. Wir wären gesprächsbereit gewesen, werden aber aufgrund des kleineren Organisationsteams und Budgets nicht ernst genommen. Die Organisatoren des Kirchentages betrachten uns gern als Menschen mit einer absoluten „Antihaltung“. Das macht die Sache deutlich leichter für sie. Bei 80 % konfessionslosen Menschen in Dresden halten wir das allerdings für religiösen Hochmut.

Welche Aktionen sind während des Kirchentages geplant?
Wir werden vom 1.-4. Juni ein breites Programm in der „Schauburg“ anbieten. Es werden wichtige Leute aus der säkularen Szene da sein, darunter Carsten Frerk, Ricarda Hinz und Michael Schmidt-Salomon. Wir werden mit Matthias Matussek (Journalist und katholischer Autor), Tobias Bilz (Landesjugendpfarrer), Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Gerhard Besier (Direktor a.D. des Hannah-Arendt-Institutes für Totalitarismusforschung e.V. an der TU-Dresden) diskutieren. Aber auch Kultur, Filme und Kabarett wird es geben. Wir freuen uns auf die deutschlandweit bekannten Kabarettisten Wiglaf Droste und Thomas Gsella, auf Wolfgang Klosterhalfen (Reimbibel), Ralf Herzog (Pantomime) und viele andere. Das gesamte Programm findet man unter www.gbsdd.de, Spenden sind unter www.helpedia.de willkommen.