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Ist das Fliegende Spaghetti-Monster absurder als die Transsubstantiation?

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diesseits sprach mit dem österreichischen Atheisten Niko Alm über die Absurdität von Weltallmonstern, die Trennung von Staat und Kirche in Österreich und über soziale und pädagogische Angebote für Konfessionsfreie. Niko Alm besitzt seit kurzem einen eigenen Führerschein, auf dem er mit einem Nudelsieb abgebildet ist. Als Anhänger der Ulk-Religion der Pastafari hatte er dies durchgesetzt.
Donnerstag, 1. September 2011
Führerschein Niko Alm. Mit Nudelsieb

Herr Alm, tragen Sie gerade ihr Nudelsieb?

Haha, nein. Das kommt nur zu besonderen Anlässen, wie z.B. Ausweisfotos, zum Einsatz.

Sie haben in Österreich durchgesetzt, dass sie auf dem Passfoto ihres Führerscheins ein Nudelsieb tragen dürfen – mit Verweis auf ihre Religiosität als Pastafari. Was ist das, Pastafarianismus?

Der Pastafarianismus ist als Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters (FSM) organisiert. Die Gottheit ist besagtes Fliegendes Spaghettimonster, das da draußen irgendwo im Weltall lebt und das Universum geschaffen hat. Tatsächlich wurde es wie alle Gottheiten aber von Menschen geschaffen. In diesem Fall von einem: Bobby Henderson gründete die Religion der Pastafaris als Reaktion auf kreationistische Bestrebungen in Kansas. Dort wollten Anhänger des Intelligent Design ihre Theorie –natürlich nicht in wissenschaftlichem Sinn – gleichberechtigt neben die Evolutionstheorie in die Lehrpläne aufnehmen lassen.

Hat denn die Wiener Stadtverwaltung ihren Glauben an das Fliegende Spaghetti-Monster als Religion anerkannt hat? In Österreich ist das Tragen einer Kopfbedeckung auf amtlichen Lichtbildern ja nur aus religiösen Gründen erlaubt.

In meiner logischen Kette hat die Bundespolizeidirektion das Tragen aus religiösen Gründen erlaubt. Denn im Folder des Innenministeriums sind unter den Kriterien für die Fotos Kopfbedeckungen als nicht erlaubt eingestuft. Mit einer Ausnahme: aus religiösen Gründen sind sie erlaubt. Nota bene, dass hier nicht auf gesetzlich anerkannte Kirchen und Religionsgesellschaften verwiesen wird. Ja nicht einmal auf einen persönlichen Glauben.

Die ganze Prozedur seit Antragstellung bis Genehmigung hat ja drei Jahre gedauert. Wie lief das ab?

Passfotoblock Niko Alm

Zunächst war ich am Wiener Verkehrsamt und habe mit Nudelsieb am Kopf und passendem Foto in der Hand bei einem Beamten den Antrag gestellt. Der sagte zunächst nichts. Nach dem Verlassen des Gebäudes rief er an, wies mich darauf hin, dass Hüte nicht erlaubt sind und ich ein neues Fotos bringen muss. Ich berief mich auf den Folder und verlangte eine schriftliche Begründung. Statt dieser Begründung erhielt ich eine Vorladung zur Amtsärztin, die offensichtlich feststellen sollte, ob ich verrückt wäre. Ich war es nicht. Das Verkehrsamt wurde darüber in Kenntnis gesetzt und übermittelte mir diesmal schriftlich, dass das Foto nicht in Ordnung sei. Das habe ich zunächst ignoriert. Ebenso die nicht terminierte Vorladung zu einem Gespräch. Stattdessen wurde mir viele Monate später der Führerschein mit dem Nudelsieb-Foto doch ausgestellt.

Der Medienrummel um ihre Person kommt Ihnen sicher gelegen. Sie sind ja zugleich auch noch in grundsätzlicheren Fragen unterwegs.

Ganz genau. Ich bin seit Jahren im Bereich Laizität engagiert und versuche, das Thema in Österreich voranzutreiben. Anfang 2009 gründete ich die Laizismus-Initative. Gleichzeitig bin ich Sprecher der Giordano Bruno Stiftung (gbs) in Österreich und seit diesem Jahr auch Nachfolger von Heinz Oberhummer als Vorsitzender der Konfessionsfreien.

Und inzwischen auch Kopf des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien.

Einer der Köpfe bzw. Mit-Initiatoren. Unser Anliegen ist aber immer dasselbe: Laizität. Wir wollen eine saubere Trennung von Staat und Religion.

Wie steht es in Österreich um das Thema Laizität? In Deutschland wird seit einigen Monaten auch im politischen Bereich darüber diskutiert. In einigen Parteien versuchen sich Laizismus-Gruppen auf verschiedenen Ebenen zu etablieren.

In Österreich ist das Thema parteipolitisch klinisch tot. En detail heißt das: Die deutschtümelnden Rechtsparteien FPÖ, FPK und BZÖ sind stramm christlich. Die Volkspartei, die ja im Gegensatz zum deutschen Pendant kein C im Namen trägt, ist der politische Ast der katholischen Kirche. Die SPÖ, zu großen Teilen antiklerikal, ist zu ebenso großen Teilen doch auch katholisch geprägt und gibt sich betont kirchenfreundlich. Und sogar die Grünen sind in sich gespalten und haben trotz vieler Unterstützer zum Thema Laizität mit den Öko-Katholen intern zu kämpfen. Die einzige Partei (allerdings nicht im Parlament), die dezidiert Laizität in ihrem Programm stehen hat, sind die JuLis.

FSM will forgive you, Ratzinger

Papstproteste 2010 in Großbritannien. Mittendrin Anhänger des Fliegenden Spaghettimonsters (FSM).

In Deutschland spaltet sich die säkulare Bewegung in zwei Lager. Eines fordert die grundsätzliche Abschaffung der Staatsleistungen an die Religionsgemeinschaften und das andere lediglich die Abschaffung der historischen Staatsleistungen und die Gleichberechtigung von Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Wo würden sie ihre Initiative hier einordnen?

Sind das wirklich zwei verschiedene Lager? Vermutlich ja. Die zweite Variante entspricht wohl eher unseren Forderungen. Wir sind ja keine Gegenmissionare, die Kirchen die Existenzberechtigung absprechen wollen. Und so wie ein Fußballverein oder die Blasmusik punktuell gefördert werden kann, kann auch ein religiöser Verein gefördert werden. Nur sprechen wir dann von ganz anderen Größenordnungen als momentan.

Gibt es für Kitas, Pflegeheime und Hospize in Österreich Angebote von und für Konfessionsfreie?

Konfessionsfreie sind in organisierter Form eine Notgemeinschaft, deren Mitglieder sich dadurch auszeichnen, zu keiner konfessionell organisierten Form gehören zu wollen. Konfessionsfreie sind eben kaum bis gar nicht organisiert. Es gibt nur ein Angebot eines Vereinsverbandes. Das sind Die Konfessionsfreien. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, das Dienstleistungsspektrum der Kirchen nachzubauen.

Wie geht es jetzt mit ihrem Volksbegehren weiter?

Wir sammeln noch bis zum 15. Oktober Unterschriften. Bis dahin müssen wir 8.000 erreicht haben. Wenn diese Schwelle überwunden ist, liegt das Volksbegehren für eine Woche in allen österreichischen Gemeinden zu Unterschrift aus. Wenn 100.000 Menschen den Text in dieser Woche unterschrieben haben, muss das Volksbegehren im Parlament behandelt werden.

Wir drücken die Daumen. Vielen Dank für das Gespräch. Und wie man bei den Pastafaries sagt: RAmen.

Haha. Sehr gerne!

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Die acht "Mir wär's wirklich lieber Du würdest nicht..."

  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest dich nicht wie ein oberheiliger Heuchler aufspielen, wenn Du meine nudlige Güte beschreibst. Wenn irgendwelche Leute nicht an mich glauben, ist das echt okay. Ich bin nicht so eitel. Außerdem: Es geht nicht um diese, also weich nicht vom Thema ab.
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest nicht meine Existenz als Mittel benutzen, zu unterdrücken, jemanden zu deckeln, zu bestrafen, fertigzumachen und/oder Du weißt schon. Ich verlange keine und benötige keine Opfer. Und Reinheit ist was für Trinkwasser, nicht für Menschen.
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest nicht Leute wegen ihres Aussehens beurteilen oder was für Klamotten sie anziehen, oder wie sie reden, oder wie auch immer - sei einfach nett, okay? Oh, und kriegt das mal in eure Dickschädel: Frau = Person. Mann = Person. Klar? Klar. Eine ist nicht besser als der andere, solange wir nicht über Mode reden. Tut mir leid, aber ich hab das den Frauen überlassen und einigen Kerlen, die den Unterschied zwischen dunkeltürkis und scharlachrot kennen.
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest nichts tun, das Dir selbst oder Deinem bereitwilligen, volljährigen und geistig gesunden Partner peinlich sein müsste. Wem das nicht passt, der kann mich mal - Ich glaube, die Formulierung lautet: am A**** lecken. Wem das auch nicht passt, der sollte am besten die Glotze ausmachen und zur Abwechslung ein Stück spazieren gehen.
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest Dir die verklemmten, frauenfeindlichen Vorstellungen anderer nicht auf nüchternen Magen anhören. Esst etwas, dann macht euch über die Idioten her.
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest nicht Multimillionendollar-Kirchen, Moscheen, Tempel, Schreine für Meine Nudlige Güte erbauen. Das Geld kann man nun wirklich sinnvoller anlegen. Sucht euch etwas aus: Armut zu beenden, Krankheiten zu heilen, in Frieden leben, mit Leidenschaft lieben und die Kosten von Kabelfernsehen senken.
    Mag ja sein, dass ich ein komplexes, allwissendes Kohlenwasserstoffwesen bin, aber ich mag die einfachen Dinge im Leben. Ich muss es wissen, ich bin der Schöpfer.
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest nicht rumgehen und Leuten erzählen, ich würde zu Dir sprechen. Du bist nicht SO interessant. Nimm Dich mal zurück. Und ich sagte Dir bereits, dass du Deine Mitmenschen lieben sollst, kannst Du keinen Hinweis erkennen?
  • Mir wär’s wirklich lieber Du würdest andere nicht so behandeln, wie Du nicht selbst gern behandelt werden möchtest, es sei denn, Du bist mit Sachen zugange, in denen, ähm, eine Menge Leder, Gleitcreme und Las Vegas eine Rolle spielen. Sollte die andere Person auch darauf abfahren, dann macht es, siehe auch Punkt 4, macht Fotos und bei der Liebe Mikes, benutzt KONDOME! Hätte ich nicht gewollt, dass es sich gut anfühlt, dann hätte ich Stacheln oder so drangebastelt.